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Moskauer Gericht verurteilt Kunstexperten

In einem umstrittenen Prozess um die Freiheit der Kunst hat ein Moskauer Gericht den international renommierten Experten Andrej Jerofejew schuldig gesprochen.

Eines der beanstandeten Werke: Alexandre Kossolapovs Saint Sébastien (1980).
Eines der beanstandeten Werke: Alexandre Kossolapovs Saint Sébastien (1980).

Jerofejew und der Mitangeklagte Juri Samodurow hätten zu «religiösem Hass aufgewiegelt», hiess es. Jerofejew hatte in der Schau «Verbotene Kunst» 2007 religiöse und politische Tabus in der russischen Kunstwelt zum Thema gemacht. Zum Strafmass äusserte sich die Richterin am Montag nach Angaben der Agentur Interfax zunächst nicht. Dies kann mehrere Tage dauern.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Straflager für beide Angeklagte beantragt. Die Verhandlung dauerte an. Menschenrechtler, Künstler und Museumsleute protestierten gegen eine Verurteilung der Ausstellungsmacher und gegen Kunstzensur in Russland.

«Gefühle verletzt»

Jerofejew und Samodurow hatten die Ausstellung «Verbotene Kunst» mit Werken anerkannter russischer Non-Konformisten wie Ilja Kabakow und Michail Roginski im Moskauer Sacharow-Museum gezeigt. Mit der Schau zogen sie den Unmut russisch-orthodoxer Christen und rechtsextremer Nationalisten auf sich.

Insgesamt begutachtete das Gericht neun Bilder, darunter auch eine Kaviar-Ikone, ein Jesus-Bild auf der Werbung einer Fast-Food- Kette sowie eine Micky-Maus-Figur auf Heiligenbildern. Die Werke waren in den staatlichen Museen nicht ausgestellt worden.

Laut Anklage verletzten die Bilder die Gefühle von russisch- orthodoxen Christen in gröbster Weise. Die Künstler selbst waren nicht angeklagt. Der von Amnesty International kritisierte Prozess gegen Jerofejew und Samodurow gilt als einmalig in der Geschichte Russlands seit dem Zerfall der Sowjetunion.

SDA

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