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«Junge Chinesen stürmen die Ausstellung»

Seit gestern läuft in Berlin die bisher grösste Werkschau Ai Weiweis. Alexander Ochs, Galerist und Freund des Künstlers, erzählt über dessen Bedeutung in seiner Heimat und über die Entstehung der Ausstellung.

Nur auf dem Bildschirm anwesend: Die Videoinstallation «Dumbass» («Trottel») in der Ai-Weiwei-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau.
Nur auf dem Bildschirm anwesend: Die Videoinstallation «Dumbass» («Trottel») in der Ai-Weiwei-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau.
Keystone
«Evidence» («Beweismaterial»): Die nachgebaute Gefängniszelle Ai Weiweis in der Ausstellung in Berlin.
«Evidence» («Beweismaterial»): Die nachgebaute Gefängniszelle Ai Weiweis in der Ausstellung in Berlin.
Keystone
Hocker, viele Hocker: Die Installation «Stools» im Atrium des Martin-Gropius-Baus.
Hocker, viele Hocker: Die Installation «Stools» im Atrium des Martin-Gropius-Baus.
Keystone
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Wie ist es möglich, dass China einen Künstler dermassen kujoniert und gleichzeitig zulässt, dass seine Kunst weltweit gezeigt wird?

Das ist einfach zu beantworten. Der Berliner Rechtsanwalt der «Freunde Ai Weiweis», Peter Raue, reiste im Februar mit mir nach Peking und untersuchte alle juristischen Aktivitäten gegen den Künstler. Es stellte sich heraus, dass gegen Ai nie ein Strafverfahren angestrengt wurde und auch kein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen ihn betrieben wurden oder werden. Dies bedeutet, dass die für den Export zuständigen Zollbehörden keinerlei Veranlassung haben, die Ausfuhr seiner Arbeiten zu behindern. Dazu kommt, dass unterschiedliche Behörden in China unkoordiniert nebeneinander arbeiten und, dies zumindest ist unser Eindruck, manchmal in Konkurrenz zueinander stehen. Ohnehin müssen wir uns den chinesischen Repressionsapparat eher heterogen vorstellen. Vieles erinnert mich an die letzten Tage der DDR. Es wird von oben etwas befohlen, was sich nach unten nicht mehr durchexekutieren lässt.

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