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«Für und wider die Zeit»: Emil Zbinden

Das Berner Kunstmuseum zeigt mit «Für und wider die Zeit» eine Werkschau des Holzstechers Emil Zbinden. Er verstand es gekonnt, Bauersleute, Verdingkinder, aufgeblasene Dorfkönige und Angeber ins Karikaturhafte umzusetzen.

Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
Keystone
Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
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Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
Emil Zbinden, «Für und wider die Zeit», Kunstmuseum Bern.
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Der Berner Holzstecher Emil Zbinden (1908-1991) eroberte in den Nachkriegsjahren mit seinen Illustrationen zu Gotthelfs Gesamtausgabe der Büchergilde Gutenberg eine grosse Fangemeinde. Er verstand es, detailgetreu und mit der ihm eigenen Ironie kleine Bauersleute, Verdingkinder, aufgeblasene Dorfkönige und Angeber ins Karikaturhafte umzusetzen. Einige besonders schöne Themenblätter für den Roman «Zeitgeist und Bernergeist» aus Zbindens Nachlass sind nun im grünen Salon, dem Herzstück der Erinnerungsausstellung, aus Anlass des 100. Geburtstags des Künstlers (er wurde am 26. Juni geboren) zu sehen.

Die Drucke von Emmentaler Bauernhäusern und Landschaften, die Zbinden jeweils per Fahrrad und mit der Staffelei ausgekundschaftet hatte, bescherten dem Berner zu Zeiten der geistigen Landesverteidigung etwas vorschnell den Ruf eines Heimatkünstlers. Zbinden war aber auch Chronist seiner Generation, ein sozialkritischer, vielseitiger und handwerklich begabter Holzkünstler. Er selbst stammte aus einer kinderreichen und mittellosen Berner Familie, absolvierte eine Lehre als Schriftsetzer und bildete sich in Berlin und später an der Staatlichen Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig zum Holzstecher weiter.

Wie sehr er sein Kunsthandwerk nicht nur als Einzelgänger ausübte, sondern auch im Dienste einer antifaschistisch gesinnten Gemeinschaft, bewies Zbinden mit der Gründung einer nationalen und internationalen Xylografen-Vereinigung. Das urbane und politisch repressive Umfeld - Zbinden musste 1931 Deutschland verlassen - wirkte sich auf die Frühwerke des Berners besonders fruchtbar aus: In der chronologisch gehängten und sorgfältig mit biografischen Details angereicherten Schau lassen der Linolschnitt eines arbeitslosen Kriegsveteranen «Schön ist das Leben» (1929) und die Holzstiche «Gastod» (1932), «SA-Sturm 33» (1933) oder «Dimitrov» (1934) nicht nur expressionistische Tendenzen im Stil der herausragenden Brücke-Künstler erkennen, sondern zeugen auch von Zbindens klarsichtiger Einschätzung der politischen Lage.

Der stille Chronist der kleinen Leute stellte zeitlebens Hinterhöfe, arbeitslose Menschen, Bergwerksleute oder Staudammwerke in Aquarellen, Gouachen oder Bleistiftskizzen dar, bevor sie in Holz verarbeitet wurden. Auch wenn es der Berner Künstler mit fortschreitendem Alter zur handwerklichen Perfektion im Holzstich - nicht in der Malerei - gebracht hat und immer wieder aktuelle Missstände aufgriff, wirken die Spätwerke in ihrer naiven Ungebrochenheit für den modernen Geschmack etwas überholt.

«Für und wider die Zeit» nennt sich denn auch sinnigerweise die Schau im Berner Kunstmuseum. Zbindens Gradlinigkeit und sein Berufsstolz aber berühren. «Ig bin e chli holzschnittartig gsi», meint der kleine Mann mit der Baskenmütze im wunderbaren Filmporträt von Peter Münger.

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