«Es gibt eine moralische Grenze»

Sein neustes Game spielt in brutal anderen 1960er-Jahren – die Nazis haben den Weltkrieg gewonnen. Ein Interview mit einem Star unter den Game-Designern, Tommy Björk.

Nazis gewinnen den Krieg, Nazis fliegen zum Mond: Trailer zu «Wolfenstein: New Order».

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Welche moralische Grenze haben Sie sich gesetzt, als Sie die Welt von «Wolfenstein: New Order» entworfen haben? Es gibt meines Erachtens eine klare moralische Grenze. Und die liegt letztlich in der Beantwortung der Frage, ob man für oder gegen die Nazis und ihre abgrundtief böse Ideologie kämpft. Bei uns gibt es da keinen Zweifel – man kämpft gegen sie.

Auf welche Dokumente stützten Sie sich, als sie die Welt von «New World Order» entwarfen? Wir haben einige Mühen auf die Recherchen historischer Quellen verwandt. Aber diese bildeten logischerweise nur den Ausgangspunkt unserer Entwürfe. Daneben lasen wir uns durch eine Reihe fiktionaler Werke wie «Das Orakel vom Berge» von Philip K. Dick oder «Vaterland» von Robert Harris. Ebenfalls brillant ist die «Goldener Kompass»-Trilogie von Philip Pullman, in der verschiedene virtuelle Realitäten in eine Geschichte verwoben werden. Auch sehr angetan bin ich vom Comic «Watchmen – Die Wächter» von Alan Moore, der die Präsidentschaft von Nixon in die 1980er hinein verlängert.

Haben Sie historisches Video- oder Audio-Material eingebaut? Nein, darauf haben wir verzichtet.

Sie haben die Handlung in den 1960er-Jahren angesiedelt. Inwiefern unterscheidet sich Ihre Nazi-Gesellschaft von der realen der 1930er und 1040er? Es ist eine Gesellschaft, in der der Überwachungsstaat perfektioniert wurde. Jede Form von Kultur wird vom Staat kontrolliert, Propaganda ist allgegenwärtig. Es ist das totale Gegenteil der wahren 60er-Jahre mit ihren Menschrechtsbewegungen und Demos.

Die «Wolfenstein»-Serie ist bekannt für ihre krude Ironie. Setzen Sie die Tradition fort? Ironie ist an sich ein sehr nützliches Mittel, um eine Geschichte zu erzählen. Ich habe davon auch in «The New Order» rege Gebrauch gemacht. Die Spieler werden auf viele verrückte Situationen treffen, die sie mit ihren historischen Kenntnissen überhaupt nicht werden vereinbaren können.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

baz.ch/Newsnet

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