Der Staat als Hehler?

Um die Verfahrenskosten zu decken, verkauft der Kanton Basel-Stadt einige Kunstgegenstände unsicherer Provenienz. Macht sich der Staat so nicht selber zum Hehler?

Die italienische Polizei hat über 5000 Gegenstände sichergestellt.

Die italienische Polizei hat über 5000 Gegenstände sichergestellt.

(Bild: Keystone)

Die rechtliche Situation ist klar, die moralische sehr viel komplexer. Obwohl die Fachleute genau wissen, dass Topstücke wie die beiden attischen Lekythoi aus Raubgrabungen stammen müssen, lässt sich deren Herkunft nicht nachweisen. Deshalb gehen über 1000 antike Kunstgegenstände an eine Händlerin zurück, der die Basler Staatsanwaltschaft vorwirft, dass sie über die Raubgrabungen genaustens Bescheid wusste. So weit, so ungut.

Doch um die Verfahrenskosten zu decken, verkauft der Kanton Basel-Stadt jetzt einige dieser wertvollen Zeitzeugnisse unsicherer Provenienz. Auch sie wären sonst an die kriminelle Antikenhändlerin zurückgegangen, lässt sich argumentieren. Und der Kanton hätte auf die Schuld verzichten müssen.

Trotzdem drängt sich die Frage auf, ob sich der Staat so nicht selber zum Hehler macht. Obwohl bislang niemand Anspruch auf die Vasen erhoben hat, bewegt sich Basel hier in einer rechtlichen Grauzone. Nach dem Wirbel in London werden die beiden Antiken ohnehin toxisch. Kein seriöser Sammler, kein Museum wird sie kaufen.

Hat Basel wirklich alles getan, um den rechtlichen Spielraum auszuschöpfen? Wurden alle Instanzen und Fachleute in Italien und Griechenland kontaktiert? Der Verkauf der beiden Vasen ist sicher die einfachste Lösung. Nur ist damit Basel einmal mehr als umstrittener Handelsplatz antiker Kulturgüter ins internationale Rampenlicht gerückt worden.

Basler Zeitung

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