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Beschädigtes Picasso-Bild gibt Geheimnisse preis

Im New Yorker Metropolitan Museum eröffnete eine Picasso-Schau der Superlative. Zu sehen ist auch ein im Januar beschädigtes Gemälde, das bei der Restauration einige Überraschungen parat hatte.

Es ist eine Ausstellung der Superlative, die am Dienstag im Metropolitan Museum in New York eröffnet wurde. Die bisher grösste Picasso-Ausstellung der Geschichte des Museums. Fast 300 Werke werden gezeigt, die teils noch nie öffentlich zu sehen waren. Der heimliche Star aber unter den Gemälden ist ein Bild, das schon im Januar für Schlagzeilen sorgte: «L'Acteur», ein 1,80 Meter hohes Gemälde aus dem Jahr 1905, geschätzte 130 Millionen Dollar wert – gesichert durch einen Panzer aus Plexiglas.

Der Fall

Aus gutem Grund. Ende Januar besuchte eine Gruppe von Kunststudenten das Museum, als eine Frau stolperte und in das Bild stürzte. Resultat: ein 15 cm langer Riss gleich oberhalb der Signatur. Drei Monate lang wurde das Gemälde mit modernster Technik restauriert. Röntgen, Infrarot-Reflektografie, Ultraschall, UV-Licht, Scanning, Spektralanalyse, Computeranalyse und Pigmentanalyse kamen dabei zum Zug - nun ist das Bild vollständig wiederhergestellt und wird in der Ausstellung stolz präsentiert. Der Riss sei fast unsichtbar, sagte Met-Kurator Gary Tintenow. Aber nicht nur das. Bei der Restauration mit modernster Technologie enthüllte das Gemälde viele Geheimnisse seiner langen Geschichte.

Picasso war gerade mal 23 Jahre alt, als er «L'Acteur» malte. Weil er kein Geld hatte, übermalte er bereits benutzte Leinwände. Zum Heizen soll er gar eigene Zeichnungen verbrannt haben. Bereits bekannt war, dass Picasso das Bild mehrere Male überarbeitet und umkonzipiert hatte. Die modernen Restaurationsmethoden zeigten nun aber im Detail, wie er dabei vorging. So verschob Picasso mehrmals den Fuss und die rechte Hand des Schauspielers. Interessanter aber noch erwies sich die Rückseite des Gemäldes. Dort fand sich ein grob überpinseltes Bild, das erstmals in den Konturen zu sehen war. Dabei handelt es sich um eine Landschaft mit Steinen in einem gewellten Körper von Wasser, felsigen Palisade und eine grosse weibliche nackte Figur. Eine Analyse der Farben und des Pinselstrichs ergab jetzt erstmals, dass die ursprüngliche Leinwand nicht von Picasso selbst stammte, sondern wahrscheinlich Teil eines Bühnenbilds war. «Die Leinwand und Zusammensetzung des Werkes war vermutlich als eine Dekoration gedacht», sagte Gary Tinterow, Vorsitzender der Museums-Abteilung des 19. Jahrhunderts, moderne und zeitgenössische Kunst. «Die Farben sind besonders theatralisch und lebendig.»

Auch andere Gemälde wurden im Zuge der Ausstellung neu untersucht und gaben interessante Einblicke. Sogar ein bislang verloren geglaubtes Gemälde Picassos fand sich - verborgen unter einem anderen Bild. Unter «La Coiffure», welches Picasso in der gleichen Zeit wie «L'Acteur» malte, entdeckten die Restauratoren gleich vier frühere Bilder- ein Mann mit einem Mädchen, ein Bettler, ein Jongleur, das Gesicht einer Frau. Auch das Porträt der Schriftstellerin «Gertrude Stein» überarbeitete Picasso immer wieder, so änderte er ihren Kopf viermal ab. Auch unter diesem Bild fand sich ein früheres Landschaftsbild. Stein vermachte das Bild 1946 dem Met. Es war dessen erster Picasso.

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