Angestellt ohne Arbeit

Das schwedische Künstlerduo will eine Person auf Lebenszeit beschäftigen, ohne ihr eine Aufgabe zu geben.

Die Künstler Simon Goldin (links) und Jakob Senneby haben ein neues Kunstprojekt: «Eternal Employment». Foto: PD

Die Künstler Simon Goldin (links) und Jakob Senneby haben ein neues Kunstprojekt: «Eternal Employment». Foto: PD

David Hesse@HesseTA

Die Jobanzeige ist getextet. Arbeitsort wird der Bahnhof Korsvägen in Göteborg, derzeit noch im Bau. Morgens und abends hat sich der Arbeitnehmer bei einer Stechuhr ein- respektive auszustempeln, was eine Batterie fluoreszierender Lichter hell und wieder dunkel macht. In der Zeit dazwischen aber kann er den Tag frei gestalten. «Die Position hat keine Pflichten oder Verantwortlichkeiten», steht im Beschrieb. Die selbst definierte Arbeit soll möglichst im Bahnhof stattfinden, der Ort darf aber auch verlassen werden. Wie sichtbar der Arbeitnehmer agiert, ist seine Sache.

Das Anfangsgehalt liegt bei 2300 Franken, jährlich gibt es Lohnerhöhungen wie im schwedischen Beamtenwesen, dazu Ferien. Eine Pension ist möglich, muss aber nicht sein, die Anstellung erfolgt auf Lebenszeit. Selber kündigen ist erlaubt, dann wird die Stelle neu besetzt. Arbeitgeber sind die schwedischen Künstler Simon Goldin (38, links) und Jakob Senneby (48). Sie arbeiten seit 2004 zusammen und haben Spass daran, Schabernack mit Wirtschaftsdingen zu treiben. Mit «Headless» schufen sie beachtete Kunst zu Offshore-Finanzwelten und zur «Produktion virtuellen Raums durch juristische Fachsprache». Bei «Zero Magic» ging es um Hedgefonds und Zaubertricks.

Das neuste Kunstprojekt trägt den Namen «Eternal Employment», ewige Anstellung, und so heisst auch die Stiftung, die das Salär des Bahnhofsmenschen zahlen soll. Die Künstler sehen es als Kommentar zum sozialen Wandel: In Göteborg verschwinde die Industrie und würden die Interessen der Arbeiter vernachlässigt, erklären Goldin und Senneby im Magazin «Atlas Obscura». Deshalb wollten sie einem Arbeiter totale Kontrolle über seine Stelle verleihen. Das Projekt ist ein Re-enactment von Arbeitsplatzsicherheit in prekärer Zeit.

Wertlosigkeit von Arbeit

Doch wie begehrenswert ist der Job? Das Kunstprojekt scheint auch ein Testlauf für eine Zeit mit bedingungslosem Grundeinkommen – eine Welt, in der Arbeit rar wird und jeder selbst seine Zeit mit Sinn füllen muss. Wer weiss, vielleicht wird sich der Bahnhofsmensch bald gelangweilt fühlen durch seinen Bullshit-Stempel-Job. Die Künstler lassen durchblicken, dass es ihnen auch um ein Statement zur Wertlosigkeit von Arbeit geht: Das Salär des Angestellten wird durch das Investment einer Startsumme erwirtschaftet, denn «Geld rechnet sich besser als Arbeit». Die Öffentlichkeit jedenfalls könnte sich am Bahnhof einen Menschen mit Zeit ansehen. Zeit zum Kinderhüten, Kindermachen, Aquarellemalen, Zeit zum Verzweifeln. Die Stiftung will urbane Legenden zu ihrer Figur sammeln, «Leben wie am Bahnhof Korsvägen» soll ein geflügeltes Wort werden.

Das Investment soll jetzt beginnen, Stellenantritt ist frühestens 2025, wenn der Bahnhof eröffnet wird. Ob die Künstler neben der staatlichen Agentur für öffentliche Kunst auch die nationale Verkehrsbehörde dazu bringen, das Projekt mit insgesamt 645'000 Franken zu finanzieren, ist unklar. Auf der Website der Stiftung Eternal Employment steht erst wenig, ja eigentlich nur ein Hinweis auf Pierre Brassau. Unter diesem Namen stellte einst ein schwedischer Witzbold die Kritzeleien eines Schimpansen als Kunst aus. Deutung des Verweises ist Sache des Arbeitnehmers.

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