Sweeney Todd mordet auch in Zürich

Grosse Namen, grosse stilistische Bandbreite: Das Zürcher Opernhaus präsentiert sein Programm für die Saison 2018/19.

Im Musical «Sweeney Todd» wird Bryn Terfel (hier in der Zürcher Produktion des «Fliegenden Holländers»)seine Grusel-Qualitäten erneut unter Beweis stellen können.

Im Musical «Sweeney Todd» wird Bryn Terfel (hier in der Zürcher Produktion des «Fliegenden Holländers»)seine Grusel-Qualitäten erneut unter Beweis stellen können.

(Bild: Keystone)

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Ein Rasiermesser ziert den blutroten Deckel des neuen Opernhaus-Programmbuchs – und wird neben Kehlen auch die üblichen Repertoiregrenzen ritzen. Neben Opern und Balletten ist nämlich für einmal auch ein Musical geplant: Stephen Sondheims «Sweeney Todd» von 1979. Es sei ja doch ein ziemlich opernhaftes Stück, sagte Andreas Homoki, der es inszenieren wird. Aber es wird – unter anderem, weil genregemäss mit Mikrophonen gesungen wird – doch eine deutlich andere Farbe in den Spielplan bringen. Eine düstere, dafür wird auch Hauptdarsteller Bryn Terfel sorgen, der als mörderischer Barbier schon anderswo Furore gemacht hat; in Zürich hat er seine Grusel-Qualitäten im «Fliegenden Holländer» ebenfalls bereits unter Beweis gestellt.

Ansonsten führt die siebte Spielzeit, die Andreas Homoki gestern als «glücklicher Intendant» zusammen mit seinem Team an einer Medienkonferenz vorgestellt hat, viel Bisheriges weiter. Das Eröffnungsfest am 22. September bringt mit Gisbert Näthers «Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse» einmal mehr eine neue Kinderproduktion. Als konzertante Aufführung gibt es im Mai 2019 Bellinis «La sonnambula», mit Pretty Yende. Die Zusammenarbeit mit dem Theater Winterthur wird fortgesetzt. Und auf der Studiobühne wird eine weitere Schweizer Oper aufgeführt, diesmal von Michael Pelzel.

Manche Akzente werden dagegen leicht verschoben. So gibts als grosse Familienoper diesmal kein zeitgenössisches Werk, sondern das Parade-Exemplar der Gattung: Humperdincks «Hänsel und Gretel» in der Inszenierung von Star-Regisseur Robert Carsen. In den Philharmonischen Konzerten starten die 24-jährige Pianistin Beatrice Rana und Generalmusikdirektor Fabio Luisi einen Beethoven-Zyklus. Und die «Oper für alle», die jeweils Tausende vor die Grossleinwand auf den Sechseläutenplatz lockt, wird diesmal dank Christian Spucks «Romeo und Julia» ein «Ballett für alle» sein. Eine neue Choreografie wird Spuck zu Schuberts «Winterreise» respektive zu Hans Zenders Orchester-Version dieses Werks kreieren; singen wird der Schweizer Tenor Mauro Peter.

Hoffen auf Serebrennikov

Bei den Dirigenten sind gleich zwei illustre Neuzugänge zu vermelden: Vladimir Jurowski gibt seinen Einstand im Opernhaus zur Saisoneröffnung mit Franz Schrekers «Die Gezeichneten». Und für Rameaus «Hippolyte et Aricie» wird die Barockspezialistin Emanuelle Haïm erstmals mit dem operneigenen Alte-Musik-Orchester La Scintilla arbeiten.

Komplizierter wird das Zürcher Debüt des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov, der «Così fan tutte» inszeniert. Er steht derzeit in Moskau unter Hausarrest, weil er Staatsgelder veruntreut haben soll: ein Vorwurf, der vor allem ein Vorwand zu sein scheint, um an einem staatskritischen Künstler ein Exempel zu statuieren. Zahlreiche Kunstschaffende – von Cate Blanchett über Elfriede Jelinek bis zu Volker Schlöndorff – setzen sich für Serebrennikov ein. Und auch das Zürcher Opernhaus wird ihm «die Stange halten», wie Andreas Homoki sagt. Den Plan B, eine «Così»-Inszenierung einzukaufen, wenn Serebrennikov weiterhin nicht ausreisen kann, hat man deshalb fallen gelassen; falls er tatsächlich nicht nach Zürich kommen kann, werden seine Assistenten die Inszenierung stemmen.

Schliesslich kommt es in der neuen Saison erstmals zu einem Wechel in Homokis Leitungsteam: Sophie de Lint, die vor allem für die Sängerbesetzung zuständig war, wechselt als künstlerische Leiterin an die Amsterdamer Oper und wird von Michael Fichtenholz ersetzt. Dass ihr der Weggang, obwohl er ein Aufstieg ist, nicht leicht fällt, war an der Medienkonferenz nicht zu überhören. Es war – neben einer bemerkenswert rund laufenden aktuellen Saison – ein weiterer Hinweis darauf, wie gut die Stimmung im Opernhaus derzeit ist.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt