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Klassiker der Woche: Wuchtige Entgleisung

Vladimir Horowitz spielt Chopin: Alles andere als perfekt, aber grossartig.

«Incredible!», ruft nach dem letzten Ton einer aus dem Off, und Vladimir Horowitz lacht. Er hatte es ja gesagt am Anfang: Er wisse nicht, ob er es schaffen werde. Und nach gängigen Kriterien hat er sie tatsächlich nicht geschafft, die Etüde op. 10/4 von Chopin. Eine Minute lang geht zwar alles gut, aber dann entgleist er, setzt gleich wieder ein, entgleist noch einmal, findet den Faden irgendwann wieder, bis er ihn erneut verliert.

Nach musikalischen Kriterien allerdings hat er es geschafft, und wie. Was sind schon ein paar Stopper, wenn es danach so fulminant weitergeht! Keiner setzt die Bässe so wuchtig wie Horowitz, keiner baut darauf eine so kräftige und dennoch differenzierte Struktur. Die Töne hämmern einem direkt aufs Trommelfell, die Musik überschwemmt einen schon ab dem ersten Takt, man atmet unweigerlich schneller und erschrickt regelrecht, wenn wieder ein Rumpler kommt. Aber eben, es geht ja gleich wieder weiter, und man ist sofort wieder mitten drin.

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