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Klassiker der Woche: Schönberg für Herz und Hirn

Keiner spielt Schönbergs atonale Klavierstücke so emotional wie Maurizio Pollini.

Maurizio Pollini wolle seine Hörer keineswegs erziehen, wenn er Schönberg als Zugabe spiele: Das hat letzte Woche ein Kommentator zum «Klassiker der Woche» vermerkt. Und tatsächlich, wenn Pollini Schönbergs Klavierstück op. 11/1 spielt, dann fühlt man sich nicht belehrt, sondern berührt. Er spielt, als sei er ganz allein mit diesem Stück, als gebe es in diesem Moment nichts anderes für ihn. Und man denkt an das, was Schönberg einst zu seinem Kollegen Anton Webern gesagt hat: Man müsse sich Zeit nehmen für seine Musik, «die ist nichts für Leute, die anderes zu tun haben».

Pollini ist damit zweifellos der richtige Interpret für Schönberg; wie nur wenige andere erreicht er mit dieser Musik nicht nur den Kopf seiner Hörer, sondern auch ihr Herz. Gerade mit diesem Klavierstück: Es entstand 1909, zu einer Zeit, als Schönberg die Tonalität verlassen hatte, aber noch längst nicht bei seiner Zwölftontechnik angekommen war. Dass er auf der Suche war, ist deutlich zu hören. Da sind durchaus noch traditionelle Klänge und Gesten, aber sie haben ihren Rahmen verloren. Zerbrechlich wirken sie und gleichzeitig befreit.

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