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Klassiker der Woche: Immer dieser Siegfried

Der schwedische Hornist Staffan Lundén-Welden spielt Wagner an ganz unterschiedlichen Orten.

Eigentlich spielt Siegfried, der Titelheld aus dem zweiten Teil von Wagners «Ring der Nibelungen», seinen berühmten Hornruf ja im Wald. Die Vögelein zwitschern, und in der Höhle schläft der Drache Fafner, bis er von Siegfrieds Geschmetter geweckt und dann getötet wird.

Das Hornmotiv – Siegfrieds Leitmotiv – gehört also in die Natur. Es passt aber auch anderswo hin, findet der 1964 geborene schwedische Hornist und Komponist Staffan Lundén-Welden. Ein Jahr lang hat er das Motiv jeden Monat an einem anderen Ort aufgeführt: in einer Bibliothek oder unter der Dusche, auf einem Stockholmer Dach oder mit einem Karnevalslokal. Oder eben, wie in dieser Aufnahme, im Untergrund des Hauptbahnhofs von Stockholm, an einem Februarmorgen um 5.50 Uhr.

Dass das Projekt nicht nur eine musikalische Herausforderung ist, zeigt sich hier deutlich: Erst einmal gilt es den Sicherheitsdienst zu überzeugen, dass man wirklich nichts anderes im Sinn hat, als ein bisschen Horn zu spielen. Und dann muss man auch noch die Konzentration behalten inmitten der Ströme von Pendlern, die um diese Zeit nun wirklich kein Ohr haben für Wagner. Keiner bleibt stehen, die meisten sehen nicht mal hin – dabei hat es sicher prächtig gehallt.

Nun kann man sich natürlich fragen, welchen Drachen Lundén-Welden mit seiner Aktion wecken und dann töten wollte. Vielleicht die Alltagsroutine? Das wäre eine wahrhaft heldische Herausforderung. Denn die ist – wie das Beispiel zeigt – noch wesentlich hartnäckiger als Fafner.

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