Klassiker der Woche: Als der Star noch ein Immigrant war

Der Cellist Yo-Yo Ma war sieben, als er für den US-Präsidenten John F. Kennedy spielte. Und Leonard Bernstein zu einer politischen Botschaft veranlasste.

29. November 1962: Die Geschwister Ma beim grossen Auftritt. (Video: Youtube / SProkofieff)
Susanne Kübler@tagesanzeiger

«Immigrant goes to America, many hellos in America, nobody knows in America, Puerto Rico's in America»: So hat es Stephen Sondheim einst für die «Westside Story» getextet, und der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein hat es zitiert bei einem Galakonzert für den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Im Jahr 1962 war das, und vielleicht sollte man das Video einmal Donald Trump vorspielen.

Oder vielleicht besser doch nicht. Mit der Musik, die es gab bei diesem Anlass und die Bernstein zu seinem dezidiert politisch gemeinten Statement veranlasste, könnte Trump ja wohl auch nicht viel anfangen. Zwei Kinder am Klavier und am Cello, die optisch durchaus nicht dem amerikanischen Klischee entsprechen, und Mikrofone gibts auch nirgends: Also bitte. Für alle, die nicht Trump sind, lohnt sich das Zuhören allerdings. Denn die Kinder sind nicht irgendwer: Hinter dem Cello sitzt ein sehr ernsthafter Yo-Yo Ma, damals sieben Jahre alt, heute längst ein Superstar. Und begleitet wird er von seiner Schwester Yeou-Cheng Ma, die nicht nur Klavier spielte, sondern als Junggeigerin fast mehr Furore machte als ihr Bruder; später wurde sie Kinderärztin und Managerin eines Kinderorchesters.

Spielen für Obama

Die in Puerto Rico lebende Cello-Legende Pablo Casals hatte die beiden vorgeschlagen für den Auftritt, und Bernstein vertrat sie mit all seiner Wärme. Was Kennedy dazu gesagt hat, ist nicht bekannt – jedenfalls hat er applaudiert. Für die Musik. Und für zwei Kinder, die Amerika erst damals ganz neu als ihre Heimat entdeckten. Geboren worden waren sie als Kinder chinesischer Eltern in Paris; in die USA waren sie erst kurz vor diesem Auftritt gezogen, der zum Glücksfall wurde: Bernstein hat dem Buben danach einen Platz an der renommierten Juilliard School vermittelt.

Yo-Yo Ma hat später übrigens noch für einen anderen amerikanischen Präsidenten gespielt: am 20. Januar 2009, bei der feierlichen Inaugurationsfeier für Barack Obama. Man darf vermuten, dass er bei einer allfälligen Wahl Trumps weder eingeladen noch abkömmlich wäre.

baz.ch/Newsnet

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