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Klassiker der Woche: Dudamel ganz privat

Als Dirigenten kennt man Gustavo Dudamel an allen grossen Adressen; hier ist er für einmal als Feierabendgeiger zu erleben.

Zuletzt gönnt sich der Stardirigent ein Nüsschen oder so, genau sieht man es nicht, die Aufnahme ist zu schlecht. Es ist ja auch keine der Hochglanzaufnahmen, die Gustavo Dudamels fulminante Dirigentenkarriere begleiten. Sondern eine private Wackeldokumentation eines Moments, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Wann und wo dieser Moment stattgefunden hat, weiss man nicht. Auch nicht, wer der Sänger ist, mit dem sich Dudamel hier zusammentut. Und wer ihm die Geige in die Hand gedrückt hat? Keine Ahnung, es spielt auch keine Rolle. Hier geht es nicht um den Auftritt, Dudamel muss niemandem beweisen, dass er einst auch ein vielversprechender Violinist war; er hat halt einfach Lust, mitzutun. Manchmal fällt ihm etwas ein, das er zu dem Lied beisteuern könnte, manchmal auch nicht, dann grinst er nur. Und setzt wieder ein, sobald er weiterweiss.

Da zeigt sich der genuine Musiker, der Dudamel auch auf dem Podium geblieben ist. Seine Geschichte wird ja gerne als Erfolgsgeschichte des venezolanischen Musikerziehungsprojekts «El Sistema» erzählt, in dem Dudamel gross geworden ist. Aber anders als viele «Sistema»-Schützlinge aus schwierigen Quartieren und Verhältnissen war er familiär «vorbelastet» in Sachen Musik: Als Sohn eines Posaunisten und einer Gesangslehrerin begann sein Unterricht schon sehr früh, mit zehn Jahren fing er an, Geige zu studieren, mit zwölf dirigierte er erstmals das Jugendorchester seiner Heimatstadt. Inzwischen ist er beim Los Angeles Philharmonic Orchestra angekommen – also ganz oben.

Aber er muss offenbar nicht immer der Chef sein, das sieht man hier, wo er sozusagen die zweite Geige spielt und sich wohlzufühlen scheint dabei. Ein sympathischer Zug. Das Nüsschen hat er sich jedenfalls verdient.

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