Zum Hauptinhalt springen

Klassiker der Woche: Der Echo, eine Schande

Die jungen Musiker des Notos-Quartetts waren die Ersten, die ihren Echo aus Protest gegen die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah zurückgegeben haben.

Auch auf dem Podium mag das Notos-Quartett keine Kompromisse. Hier spielt es den letzten Satz von Brahms’ Klavierquartett op. 25. (Youtube/daeichhoernchen)

Wer will, hört es auch in dieser Aufnahme des Schlusssatzes von Brahms’ Klavierquartett in g-Moll op. 25: Das Notos-Quartett mag keine halben Sachen. Es spielt mit sehr viel Energie, Präzision und einem rhythmischen Drive, der dieses «Rondo alla Zingarese» nahe an Brahms’ Inspirationsquellen rückt.

Auch neben dem Podium mögen die vier jungen Berliner Musiker – der Geiger Sindri Lederer, die Schweizer Bratschistin Andrea Burger, der Cellist Philip Graham und die Pianistin Antonia Köster – keine Kompromisse. Und so haben sie nach der Auszeichnung der umstrittenen Rapper Farid Bang und Kollegah den Echo-Preis zurückgegeben, den sie 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres erhalten hatten. Sie hätten sich ja damals sehr gefreut über den Preis, schreiben sie auf Facebook, aber: «Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar.» Die Echo-Trophäe, die sie in ihrem Probenstudio aufgestellt hatten, sei nun «nichts mehr als ein Symbol der Schande».

Sie waren die Ersten, die sich zur Echo-Rückgabe entschieden haben, weitere folgten – darunter der Bassist und Beatles-Verbündete Klaus Voormann, der Pianist Igor Levit, der Rock-Promi Marius Müller-Westernhagen sowie Fabio Luisi, Generalmusikdirektor am Zürcher Opernhaus. Viele andere haben protestiert, den Ethikrat angegriffen, den Rücktritt der Verantwortlichen gefordert.

Verdiente Aufmerksamkeit

Die Reaktionen auf diese Proteste gehorchten dann wieder den Regeln der öffentlichen Aufmerksamkeit: Je berühmter die Musiker, desto grösser waren die Schlagzeilen, die sie geerntet haben; das liegt in der Natur der Sache. Umso mehr muss man die Reaktion des Notos-Quartetts würdigen, das noch keinen Promi-Status hat, sich vom Echo durchaus eine gewisse Schubwirkung versprechen konnte – und trotzdem tat, was es für richtig hielt.

Der Karriere wird das hoffentlich noch weit mehr nützen, als es der Preis getan hätte. Weil es wichtig ist, dass Musikerinnen und Musiker sich nicht hinter ihren Noten verstecken. Und weil dieses Ensemble auch musikalisch jede Aufmerksamkeit verdient hat: Da lagen die Echo-Verleiher respektive die Käufer ihrer fulminanten Debüt-CD «Hungarian Treasures» ja durchaus richtig.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch