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Klassiker der Woche: Der Bub ist eine Frau

Cherubino-Darstellerinnen haben es meist nicht leicht. Christine Schäfer schon.

Sie sind eine heikle Angelegenheit, die Hosenrollen: jene Opernpartien also, in denen Frauen Männer darstellen. Oft sind es jugendliche Männer, Teenager, grosse Buben – neben dem anderen Geschlecht gilt es also auch noch, ein anderes Alter vorzutäuschen.

Die Resultate sind meist – nun ja: musikalisch überzeugender als optisch. Heute erst recht: Liess sich in früheren Aufführungen unter Perücken und Puder und bauschigen Kragen noch allerlei verstecken, sind die Kostüme inzwischen oft zeitgenössisch. Die Regisseure setzen den weiblichen Buben dann jeweils eine Dächlikappe auf, wohl in der Meinung, das wirke irgendwie jung und cool. Aber nein, meist wirkt es eher doof.

Liebeskranker Teenager Aber es gibt Sängerinnen, denen könnte selbst eine Dächlikappe nichts anhaben. Die haben ein Talent für Hosenrollen, sie mögen diese Figuren – und stellen sie entsprechend überzeugend dar. Christine Schäfer ist eine von ihnen: Glaubwürdiger als sie gibt wohl keine andere Sängerin den Cherubino in Mozarts «Le nozze di Figaro». Wie sie dasteht, die Hände am Hosenbund; wie sie ein bisschen verlegen, irgendwie desorientiert durch die Brille blickt: Das wirkt tatsächlich jungenhaft. Und für die Frisur musste sich die Mezzosopranistin nur ein bisschen verwuscheln lassen – fertig ist der liebeskranke Teenager.

Das hat vielleicht damit zu tun, dass Schäfer auch ohne Kostüm jünger wirkt, als sie ist (bei dieser Aufnahme war sie 43). Noch viel mehr aber damit, dass sie keine Diva sein mag; sie will der Figur zu ihrem Recht verhelfen – und auch wenn sie hier «Non so più cosa son, cosa faccio» singt, weiss sie doch ganz genau, was sie tut. 2006, also zwei Jahre vor dieser Aufnahme, wurde sie in der Umfrage der Zeitschrift «Opernwelt» für einen Salzburger Auftritt als Cherubino zur «Sängerin des Jahres» gewählt. Der Regisseur Claus Guth hatte sie damals in einen Matrosenanzug gesteckt – und selbst das sah irgendwie ganz selbstverständlich aus.

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