Gottschalk stiehlt Merkel die Schau

Wie immer war die Eröffnung der Bayreuther Festspiele an diesem Sonntag ein Schaulaufen der Prominenz: Die ganze deutsche Politik war da. Und ein Moderator.

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Als der beliebte Moderator Thomas Gottschalk am Sonntagnachmittag in Begleitung seiner Ehefrau Thea zur Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Opernfestspiele auf dem Grünen Hügel erscheint, brandet stürmischer Applaus auf. «Thomas, Thomas», rufen die Zaungäste hinter der Absperrung euphorisch. Rund 70 Kamera- und Fernsehteams bitten lautstark um ein Lächeln und Winken des blonden Entertainers.

Hatten Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Vorjahr beim traditionellen Promi-Schaulaufen vor dem Festspielhaus noch eine ähnlich herzliche Begrüssung erlebt, ist die Begeisterung der rund 1500 Zuschauer in diesem Jahr deutlich abgekühlt: Auch fernab von Berlin können Merkel sowie ihr Vize-Kanzler und Aussenminister Guido Westerwelle den politischen Dissonanzen offensichtlich nicht völlig entkommen. Die Kanzlerin, die zur Premiere des «Lohengrin» einen schlichten cremefarbenen Hosenanzug trägt, reagiert prompt: Sie lächelt und winkt nur kurz der Menge zu, bevor sie ins Festspielhaus enteilt.

Margot Werner als Hingucker

Auch die beiden Alt-Ministerpräsidenten von Bayern, Günther Beckstein und Edmund Stoiber, werden nur verhalten begrüsst. Dennoch finden sie wie in den Vorjahren ihren Weg zu den wartenden Zuschauern, schütteln vereinzelt Hände und geben Autogramme.

Neben zahlreichen Vertretern der Bundes- und Landespolitik ist in diesem Jahr auch wieder viel Prominenz aus Kultur und Gesellschaft der Einladung nach Bayreuth gefolgt: Darunter Schauspielerin Veronika Ferres, ihr Kollege Sebastian Koch mit Dreitage-Bart, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich.

Für den gewohnten Hingucker sorgt einmal mehr Sängerin und Schauspielerin Margot Werner. Sie trägt ein leuchtend orangefarbenes Haarband zu goldgelben Haaren und einen wallenden Umhang mit grossem Blumenmuster.

Erstmals ohne den Patriarchen

Trotz des gewohnten Promi-Auflaufs sind die Festspiele in diesem Jahr anders als sonst: Erstmals finden sie ohne den langjährigen Patriarchen Wolfgang Wagner statt. Der Enkel des Komponisten Richard Wagner war im März im Alter von 90 Jahren in Bayreuth gestorben. Er hatte die Festspiele 57 Jahre lang geleitet. Nach seinem Rücktritt im August 2008 hatte der Stiftungsrat Wagners Töchtern Katharina und Eva die Leitung übertragen.

Wagners Fehlen sei bedauerlich, sagen die beiden Bayreutherinnen Karin Hein und Rosemarie Baierlein unisono. Die 71 und 68 Jahre alten Opernfans kommen seit Jahrzehnten auf den Grünen Hügel, das Festspielhaus kennen sie in- und auswendig. «Wir haben noch den Wieland Wagner erlebt», erzählt Rosemarie Baierlein stolz. Wielands Bruder Wolfgang sei «ein toller Mensch» gewesen, gleichsam eine Institution in Bayreuth. Dass jetzt seine beiden Töchter die Festspiele leiten und so einiges, wie etwa die Kinderoper oder das kostenlose Public Viewing eingeführt haben, finden sie aber klasse. «Bayreuth wird dadurch moderner», schwärmen sie.

Mit Public Viewing

Die Festspiele dauern noch bis zum 28. August. Auf dem Programm stehen unter anderem zum fünften Mal Tankred Dorsts Interpretation des vierteiligen Musikdramas «Der Ring des Nibelungen» und die weiterhin umstrittene Inszenierung der «Meistersinger von Nürnberg» von Katharina Wagner.

Wie schon im Vorjahr wird auf Initiative der 32-jährigen Katharina auch wieder eine Kinderoper aufgeführt: Diesmal wurde der «Tannhäuser» kindgerecht inszeniert und feierte am Sonntagmittag seine Premiere.

Auch eine Fortsetzung des bereits zweimal von vielen Tausend Bayreuthern begeistert aufgenommenen Public Viewings ist vorgesehen: Interessierte können am 21. August die Oper «Die Walküre» auf einer 90 Quadratmeter grossen Leinwand auf dem Bayreuther Festplatz geniessen.

se/dapd

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