«Das ist Wahnsinn»

Der Tonhalle-Flötist Matvey Demin hat den Tschaikowsky-Wettbewerb gewonnen. Seither wird er überhäuft mit Gratulationen – und Anfragen.

«In guten Orchestern kann man nur besser werden», sagt Matvey Demin. Foto: PD

«In guten Orchestern kann man nur besser werden», sagt Matvey Demin. Foto: PD

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Ende Juni haben Sie den ersten Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb erhalten. Werden Sie nun von Anfragen überrollt?
Schon! Ich erhalte täglich drei bis vier Anfragen, auch auf Facebook werde ich ständig angeschrieben – das ist Wahnsinn. Das habe ich so wirklich noch nie erlebt.

Dabei haben Sie schon etliche Wettbewerbe gewonnen ...
Dieser war schon besonders. Auch, weil ich nicht nur gegen andere Flötisten antreten musste, sondern gegen alle Holzbläser. Es ist natürlich schwierig, eine Flöte mit einem Fagott zu vergleichen. Aber sicher ist, dass die Konkurrenz so stärker war.

Der Tschaikowsky-Wettbewerb ist vor allem als Klavierwettbewerb bedeutend, die Bläser traten dieses Jahr zum ersten Mal an. Profitiert man da vom Label?
Bestimmt, die Aufmerksamkeit war enorm. Der Bläserwettbewerb wurde gross beworben, alles wurde live übertragen auf Medici TV. Und auch vom Publikum vor Ort erhielten wir viele Rückmeldungen. Die Leute wollten durchaus nicht nur die Pianisten hören, sondern waren gespannt auf die Bläser. Diese Aufmerksamkeit ist ja eigentlich auch der Grund dafür, dass man Wettbewerbe spielt – das Preisgeld ist viel weniger wichtig.

«Die Aufmerksamkeit des Publikums ist der Grund dafür, dass man Wettbewerbe spielt.»

Nun haben Bläser im Vergleich zu Pianisten oder Geigern weniger Möglichkeiten für Soloauftritte. Die meisten spielen deshalb – wie Sie – auch in Orchestern. Ist das nur ein Brotjob oder mehr?
Auf jeden Fall mehr! Man lernt jeden Tag Neues in einem Orchester: weil man mit grossen Dirigenten arbeiten kann, weil man erfahrene Kollegen hat. Das Solo-Repertoire für Flöte ist zwar nicht gerade klein, aber viel kleiner als das Orchesterrepertoire; da kann man musikalisch enorm viel entdecken. Ich sehe da noch eine Menge Potenzial, um mich weiterzuentwickeln.

Wie haben denn Ihre Orchesterkollegen reagiert auf Ihren Sieg?
Fast alle haben sich gemeldet, auch die ganze Verwaltung der Tonhalle-Gesellschaft. Allein gestern habe ich ungefähr 200 Nachrichten beantwortet ... Wobei ich auch noch Geburtstag hatte, da haben sich die Gratulationen überschnitten.

Sie sind 26 geworden; damit sind Sie zwar nicht mehr der jüngste Tonhalle-Musiker wie zu Beginn Ihrer Zürcher Zeit, aber immer noch der zweitjüngste.
Auch das ist ein Glück für mich: Es ist für mich ungemein spannend, von den älteren Kolleginnen und Kollegen zu hören, wie sie gewisse Dirigenten erlebt haben oder wie sich die Aufführungspraxis entwickelt hat. Wie gesagt: In einem guten Orchester kann man nur besser werden.

Sie werden also im Orchester bleiben?
Auf jeden Fall.

Und auch weiter Wettbewerbe spielen?
Da mache ich jetzt sicher eine Pause, ich will mich erst einmal auf die Solokonzerte konzentrieren. Die ersten werde ich in vier Wochen in Japan spielen, unter Valery Gergiew, der den Tschaikowsky-Wettbewerb leitet. Das ist eine Riesenchance, und ich werde alles tun, um sie zu nutzen.

Ausschnitt aus Matvey Demins Auftritt in der 2. Runde des Tschaikowsky-Wettbewerbs.

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