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Basler Regierung gängelt Orchester

Der Kanton Basel-Stadt fordert eine bessere Bezahlung von Musikern. Doch statt die Fördermittel substanziell zu erhöhen, will der Regierungsrat nun seine Vergabepolitik verschärfen.

Konzerte in Grossbesetzung könnten für die Basel Sinfonietta schwieriger werden.
Konzerte in Grossbesetzung könnten für die Basel Sinfonietta schwieriger werden.

Verglichen mit den Subventionen fürs Sinfonieorchester Basel (SOB), das vom Kanton Basel-Stadt jährlich rund 13 Millionen Franken erhält, ist der Fördertopf für andere, grossteils privat finanzierte Basler Orchester relativ klein. So teilen sich das Kammerorchester, die Sinfonietta, La Cetra und das Ensemble Phoenix Programmförderbeiträge von rund 1,3 Millionen pro Jahr.

Der bescheidene Betrag hält den Kanton jedoch nicht davon ab, viele Bedingungen und Erwartungen an die Klangkörper zu stellen. So zum Beispiel jene, dass sich die Orchester bei den Löhnen an den vom Schweizerischen Musikerverband (SMV) empfohlenen Mindesttarife halten sollen.

Das würden die vier betroffenen Klangkörper auch gerne tun, wie sie in einem gemeinsamen Vorstoss Anfang Jahr geschrieben haben. Doch sie können es nicht. Denn der Kanton fordere zwar den Mindestlohn, stelle aber nicht die nötigen Mittel bereit, schreiben die Orchestervertreter. Von einem Gesamtarbeitsvertrag wie beim Sinfonieorchester, wo Musiker 7000 Franken oder mehr pro Monat verdienen, wagen Kammerorchester, Sinfonietta und Co. gar nicht erst zu träumen.

Umlagerung von Fördermitteln

Was tun? Die Regierung hat den Vorstoss zur Kenntnis genommen. Gemäss ihrem jüngsten Ratschlag sollen die Gelder innerhalb des Förderfonds umgelagert werden. So möchte man einen Grossteil der Mittel aus der Strukturförderung – einem bislang kaum gefragten Fördergefäss – neu direkt den Orchestern zukommen lassen. Diese werden die Erhöhung allerdings kaum zu spüren bekommen, da es sich um einen relativ kleinen Betrag von etwa 150 000 Franken pro Jahr handelt. Was die Finanzierung angeht, wird sich in der nächsten Förderperiode 2021–2023 also wohl kaum etwas ändern.

Stattdessen will die Regierung die Daumenschraube bei den Vorschriften weiter anziehen. Denn die Nichteinhaltung der SMV-Tarife ist aus ihrer Sicht ein Versäumnis der Programmmacher: «Der Regierungsrat ist der Ansicht, dass die Orchesterleitung durch die Programmgestaltung einen hohen Anteil an Verantwortung für die Lohngestaltung trägt.»

Entsprechend will sie Orchester stärker in die Pflicht nehmen: «Statt der Formulierung, dass bei der Berechnung der Honorare für die Musikerinnen und Musiker eine Orientierung an den vom SMV empfohlenen Tarifen erwartet werde, soll als Grundbedingung für eine Bewerbung um Förderbeiträge ausdrücklich formuliert werden, dass die Berechnung der Honorare für Musikerinnen und Musiker nach den Empfehlungen des SMV ausgewiesen werden muss.»

Weniger Konzerte, kleiner Besetzungen

Diese Vorschrift hätte wohl eine Redimensionierung der Konzerte zur Folge: Damit die Musiker bei den vom Kanton geförderten Konzerten auch ja nach SMV-Tarifen besoldet werden, müsste die Zahl der Veranstaltungen pro Jahr oder aber die Orchesterbesetzung verkleinert werden. Eine solche Entwicklung deutet die Regierung in ihrem Bericht denn auch an. Im Extremfall – das Beispiel ist überrissen – würde die Sinfonietta also zwei Konzerte pro Saison in Streichquartettformation bestreiten, für die es dann auch Geld vom Kanton gäbe.

Die Exekutive scheint es dabei kaum zu interessieren, dass die betroffenen Orchester zum Grossteil nicht von ihren Subventionen leben, sondern von Ticketeinnahmen, Sponsoring, Tourneen, Koproduktionen und weiteren Projekten. Wenn die Ensembles diese Maschinerie am Laufen halten wollen, können sie nicht mal eben für ein paar Konzerte ihr Orchester schrumpfen lassen oder Programme streichen.

Die Regierung scheint es kaum zu interessieren, dass die betroffenen Orchester zum Grossteil nicht von Subventionen leben.

Die vorberatende Bildungs- und Kulturkommission (BKK), die den Ratschlag demnächst behandelt, tut denn auch gut daran, von einer solchen Verschärfung abzusehen. Es sei denn, sie wäre gleichzeitig bereit, entsprechend mehr Fördergelder zu sprechen.

Die BKK hat heuer schon einmal Weitsicht bewiesen, indem sie auf einer Synchronisierung der Orchestervorlagen ab 2023 bestand. Die Dossiers – Staatsbeiträge ans Sinfonieorchester, Programmförderung für andere Ensembles – hat der Regierungsrat nämlich oft verschleppt und zu unterschiedlichen Zeitpunkten ins Parlament gebracht, wodurch eine Grundsatzdiskussion verunmöglicht wurde. Dabei tut diese angesichts des grossen Lohngefälles zwischen SOB-Mitgliedern und Musikern anderer Orchester not.

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