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Workshop des Grauens

Marlon Brando, berichtet der «Hollywood Reporter», veranstaltete einst einen bizarren Workshop, an dem auch Leonardo DiCaprio und «Osama Bin Laden» teilnahmen.

Die Filmikone Marlon Brando (1924–2004), dargestellt an einer Vorschau zur Versteigerung persönlicher Gegenstände ein Jahr nach seinem Tod. Mit dem Zitat: «Als ich einmal berühmt war, konnte ich nie mehr Bud Brando aus Libertyville, Illinois, sein.»
Die Filmikone Marlon Brando (1924–2004), dargestellt an einer Vorschau zur Versteigerung persönlicher Gegenstände ein Jahr nach seinem Tod. Mit dem Zitat: «Als ich einmal berühmt war, konnte ich nie mehr Bud Brando aus Libertyville, Illinois, sein.»
Keystone
So sah Brando in der Zeit aus, als er den Workshop gab. Hier spricht er zum Publikum während eines Jubiläumskonzertes von Michael Jackson im New Yorker Madison Square Garden am 7. September 2001.
So sah Brando in der Zeit aus, als er den Workshop gab. Hier spricht er zum Publikum während eines Jubiläumskonzertes von Michael Jackson im New Yorker Madison Square Garden am 7. September 2001.
Keystone
Er ist und bleibt Mister Cool: Die amerikanische National Portrait Gallery wollte rausfinden, was es bedeutet, cool zu sein. Und trug 100 Fotos von Musikern, Schauspielern und Sportlern zusammen – darunter auch diese Aufnahme von Brando aus dem Jahr 1950.
Er ist und bleibt Mister Cool: Die amerikanische National Portrait Gallery wollte rausfinden, was es bedeutet, cool zu sein. Und trug 100 Fotos von Musikern, Schauspielern und Sportlern zusammen – darunter auch diese Aufnahme von Brando aus dem Jahr 1950.
Keystone
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Der Lehrer kam mit blonder Perücke. Im November 2001 hatte der damals 77-jährige Marlon Brando zu einem zehntägigen Schauspielkurs geladen, an dem nicht nur zwanzig Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Im Publikum in der Lagerhalle von Los Angeles sassen auch Grössen wie Nick Nolte, Sean Penn und Whoopi Goldberg. Sie sahen, wie der Hauptdarsteller aus dem «Letzten Tango von Paris» als Frau verkleidet auftrat, auf der Bühne die Lippen knallrot färbte, sich in einen Monolog steigerte, der damit endete, dass er sich wütend umdrehte, sein Kleid hob und dem Publikum den Hintern präsentierte. Das war nur der Beginn der Extravaganzen. Für jeden der zehn Kurstage hatte sich Brando etwas Spezielles ausgedacht. Er holte zum Beispiel einen Obdachlosen von der Strasse und erteilte ihm Unterricht. Er arbeitete mit Gruppen von Kleinwüchsigen und samoanischen Ringern. Er engagierte einen echten Occasionshändler, der Robin Williams einen Gebrauchtwagen aufschwatzen sollte. Denn das war das Prinzip des Kurses: Auch die Stars im Saal mussten bei den Improvisationsübungen mitmachen. Leonardo DiCaprio hatte davon schon nach dem ersten Tag genug und ward nicht mehr gesehen. Viele aber blieben. Weshalb veranstaltete der Mann, der zu den bedeutendsten Charakterdarstellern des 20. Jahrhunderts zählte, einen solchen Kurs? Geldmangel, vermutet die Zeitschrift «Hollywood Reporter», die mit vielen Kursteilnehmern gesprochen und diese Geschichte nun publik gemacht hat. Brando ging es damals nicht gut, er war krank, übergewichtig, es gab sogar Gerüchte, er lebe von der Sozialhilfe. So schlimm war es allerdings nicht, als er am 1. Juli 2004 starb, hinterliess er ein Vermögen von 20 Millionen Dollar. Aber das steckte grösstenteils in seinem Haus am Mulholland Drive in Los Angeles und auf seiner privaten Südseeinsel. Flüssiges Geld soll er praktisch keines gehabt haben.

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