Zum Hauptinhalt springen

Witz, Action und Gefühl

«Incredibles 2» überzeugt mit einer stimmigen Story und beeindruckender Optik.

Zwischen Hausaufgaben und Verfolgungsjagden. Vater Mr. Incredible und Mutter Elastigirl haben Mühe, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.
Zwischen Hausaufgaben und Verfolgungsjagden. Vater Mr. Incredible und Mutter Elastigirl haben Mühe, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.
Keystone

Für die Fans von Mr. Incredible und Elastigirl war es eine lange Wartezeit. 14 Jahre sind seit den Abenteuern der Trickfilm-Superhelden-Familie in dem Pixar-Hit «The Incredibles» vergangen.Doch für den bärenstarken Bob Parr (Mister Incredible), seine super dehnbare Frau Helen (Elastigirl) und deren Kinder Violetta, Robert und Baby Jack-Jack war es nur eine kurze Verschnaufpause. Ihre neuen Aufgaben knüpfen zeitlich unmittelbar an das Ende des Originalfilms an – doch diesmal in umgekehrter Rollenverteilung.

Frauenpower mischt «The Incredibles 2» auf: Helen wirft sich diesmal in den roten Stretchanzug und jagt die Bösewichte, während Bob als Hausmann die Kinder hütet. Keine Sorge: US-Regisseur Brad Bird, der schon den ersten Teil mit viel Witz, Action und Gefühl inszenierte, liefert eine ebenso unterhaltsame Fortsetzung mit dem bewährten 60er-Jahre-Feeling und vielen Anleihen bei James Bond, Comic-Helden und Actionserien.

Bird und sein Pixar-Team entführen in eine kunterbunte Welt mit Verfolgungsjagden durch Wolkenkratzerschluchten, aber ebenso in eine stilvolle Villa mit Designermöbeln, futuristischen Glasfassaden und Wasserfällen. Die inzwischen ausgefeiltere Trickfilmtechnik und deutlich stärkere Rechenkraft der Pixar-Computer sind der Fortsetzung anzusehen. Viel mehr Charaktere beleben die Sets, die Stofflichkeit von Haaren und Kleidungsstücken ist verblüffend. «Dinge wie Haare, Wasser, Feuer und Stoffe machen wir inzwischen recht gut», erklärte Bird im Pixar-Studio kurz vor dem US-Start des Films. «Jetzt geht es mehr darum, wie wir die Geschichte am besten erzählen können. Diesmal hatten wir weniger Zeit und es war eine technische Herausforderung, dass man dies dem Film am Ende nicht ansieht.»

Geballte Superpower

Doch der Look ist perfekt und die Story stimmig. Mit geballter Superpower geht die Familie gleich zu Beginn gegen den Superschurken «Underminer» zur Sache. Doch ihr tatkräftiger Einsatz lässt ein Trümmerfeld zurück, die Stadtväter sind empört. Sämtliche Superhelden werden für illegal erklärt. Was nun? Wovon soll die Familie leben? In «The Incredibles» verdiente Mr. Incredible als kleiner Angestellter einer Versicherungsfirma den Lebensunterhalt, während Helen den Haushalt schmiss, bis eines Tages ein mysteriöser Auftrag Bob in die Superhelden-Welt zurückholte.

Nun wird der steinreiche Tech-Tycoon Winston Deavor (in der englischen Version von «Breaking Bad»-Star Bob Odenkirk vertont) zum Schutzengel. Er engagiert Elastigirl für seine Kampagne, das Image der Superhelden durch gute Taten wieder aufzumöbeln. Winstons geschäftstüchtige und immer tipptopp gekleidete Schwester Evelyn (gesprochen im Original von Catherine Keener) zieht im Hintergrund die Fäden.

Bob übernimmt die kräftezehrende Rolle des Hausmannes: «Gar kein Problem», tönt der Muskelmann, doch er wird schnell eines Besseren belehrt. Violetta, die sich mit ihren Superkräften unsichtbar machen und Kraftfelder schaffen kann, ist ein launischer Teenager mit Liebeskummer. Der hyperaktive jüngere Bruder Robert «Flash», der im Blitztempo durch die Welt rast, quält sich mit den Hausaufgaben. Und Baby Jack-Jack hält mit immer mehr Super-Fähigkeiten auf Trab. Einen Waschbären im Garten verschreckt der Kleine mit Laserstrahlen und Feuerwerfern. Und das sind längst noch nicht alle Talente.

Biegsame Superfrau

Helen hat einen Vollzeit-Job, die mysteriöse Bedrohung namens «Screenslaver» auszuschalten. Sie scheut vor keiner noch so gefährlichen Action zurück, doch die biegsame Superfrau weiss auch, dass ihre Familie zu kurz kommt.

Regisseur Bird, der nach «The Incredibles» (2004) den Pixar-Hit «Ratatouille» inszenierte, sammelte mit «Mission: Impossible – Phantom Protokoll» (2011) erstmals Live-Action-Erfahrung. Das sei kein grosser Unterschied, ob man mit Schauspielern drehe oder einen Trickfilm mache, erzählt Bird. «Es kommt allein auf die Geschichte an und ob die Zuschauer sich mit den Figuren identifizieren können.»

Supersorgen der Superhelden

Mr. Incredible und Elastigirl mögen Superkräfte haben, aber am Ende geht es um ihre allzu menschlichen Sorgen, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Dass nun ausgerechnet Helen als «Superwoman» in der Fortsetzung zur Brotverdienerin wird, passt perfekt zur laufenden Debatte um Geschlechtergleichstellung und Frauen-Empowerment.

Doch das Timing sei rein zufällig, versichert Regisseur Bird. Die Idee, dass Helen und nicht Bob den Auftrag bekommt, habe er schon beim ersten «Incredibles»-Film gehabt, aber erst jetzt umgesetzt. «Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen und habe in meinen Filmen immer Wert auf starke weibliche Charaktere gelegt», sagt Bird.

Sollte es einmal «Incredibles 3» geben, wäre die forsche und eigenwillige Violetta Parr Helens würdige Nachfolgerin. Hoffentlich müssen Pixar-Fans nicht weitere 14 Jahre auf die Fortsetzung warten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch