Wie man als Quentin Tarantino überlebt

«Once Upon a Time in Hollywood» von Quentin Tarantino feiert bald Premiere. Wird der Regisseur die Geister der Vergangenheit los?

Der erste Trailer zum Film «Once Upon a Time in Hollywood» von Quentin Tarantino.
Hans Jürg Zinsli@zasbros

Es dauert nicht mehr lange, bis das jüngste Werk von Quentin Tarantino in die Kinos kommt. «Once Upon a Time in Hollywood» spielt im Jahr 1969 und erzählt von einem ehemaligen Westernstar (Leonardo DiCaprio) und dessen Stuntdouble (Brad Pitt). Zugleich wirft der Film ein Licht auf die Manson Family, die in jenem Jahr fünf Menschen ermordete – unter anderem Roman Polanskis schwangere Ehefrau Sharon Tate, die im Film von Margot Robbie gespielt wird.

Margot Robbie spielt in Tarantinos Film Sharon Tate. Bild: Sony Pictures

«Once Upon a Time in Hollywood» wird voraussichtlich im Mai am Filmfestival in Cannes Premiere feiern. Eine offizielle Bestätigung seitens des Festivals steht zwar noch aus, aber dass man sich die Chance entgehen lässt, den Regisseur 25 Jahre nach der Goldenen Palme für «Pulp Fiction» wieder einzuladen, ist unwahrscheinlich.

Tarantino verteidigte Polanski

Dabei sahen die Dinge für Tarantino vor Jahresfrist noch katastrophal aus. In einem Interview hatte «Kill Bill»-Darstellerin Uma Thurman ausgesagt, dass sie nach einem Autounfall am Set bleibende Schäden an Knie und Nacken davongetragen habe. Zudem habe Tarantino die Darstellerin (mit deren Einverständnis) gewürgt und angespuckt. Die Enthüllung bestätigte alle jene, die Tarantino im Umgang mit Frauenfiguren seit jeher für einen Sadisten halten.

Schlimmer noch: 2018 tauchte auch ein Radiointerview auf, das Tarantino 2003 Howard Stern gegeben hatte. Darin nahm Tarantino Roman Polanski in Schutz und behauptete, die 13-jährige Samantha Gailey, die von Polanski 1977 missbraucht wurde, habe «es gewollt». Eine Vergewaltigung sei das nicht gewesen. Auf Social Media wurde Tarantino darauf ziemlich unzimperlich angegangen.

Der Protegé von Weinstein

Man darf annehmen, dass «Once Upon a Time in Hollywood» damals auf der Kippe stand. Der Grund: Tarantino, der 1994 die grosse Entdeckung von Harvey Weinstein war, wechselte nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Weinstein und dessen Firmenkonkurs zum Hollywoodgiganten Sony Pictures. Ausgerechnet zu jener Firma also, die 2018 Kevin Spacey nach Belästigungsvorwürfen aus dem bereits abgedrehten Film «All the Money in the World» entfernt hatte. Vor diesem Hintergrund durfte man annehmen, dass Sony auch Tarantino und dessen 95-Millionen-Dollar-Film fallen lassen würde.

Das Filmplakat mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio wirkt stark retuschiert. Bild: Sony Pictures

Warum das nicht geschah, ist schwierig zu sagen. Entscheidend dürfte auf alle Fälle der finanzielle Aspekt sein, beziehungsweise die Frage, wie viel Geld Sony zu diesem Zeitpunkt bereits ausgegeben hatte. In der Folge zeigte sich allerdings, dass Tarantino die Flucht nach vorn antrat und ein beeindruckendes Staraufgebot zusammentrommelte: Neben Leonardo DiCaprio, der bereits als Darsteller feststand, wurden Brad Pitt, Margot Robbie und Al Pacino in tragenden Rollen verpflichtet. Und mit jeder zusätzlichen Starpower sank die Wahrscheinlichkeit, dass Sony den Film noch versenken würde.

Bleibt die Frage, ob der Film am Ende tatsächlich Gewinn abwerfen wird. Um dies zu erreichen, müsste er – gemäss «Hollywood Reporter» – weltweit 375 Millionen Dollar einspielen. Die Vermarktungsmaschinerie ist jetzt angelaufen, ein erster Trailer und das Filmplakat sind verfügbar. Doch auf Social Media wird bereits wieder Unmut laut: Das Plakat sei schrecklich, DiCaprio und Pitt wirkten darauf viel zu stark retuschiert.

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