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«Was zum Teufel war da los?»

Donald Trump schimpft über Brad Pitt und findet es nicht okay, dass der Oscar für den besten Film nach Südkorea ging.

MeinungAndreas Tobler
«Ist das jemals zuvor passiert?» Donald Trump kritisiert die Oscars bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado Springs. Video: Tamedia

Der grosse Intellektuelle Donald J. Trump, den viele fälschlicherweise für einen Dummkopf halten, gab sich jüngst auf einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado Springs als Cineast, also als Kinofan, zu erkennen: «Wie schlecht waren die Oscars in diesem Jahr?», fragte Trump ins Publikum seiner Fans hinein. Und die wussten offensichtlich Bescheid, worauf der US-Präsident hinauswollte. Jedenfalls reagierten sie mit vielen Buhs.

«Was zum Teufel war da los?», fragte Trump weiter, «und dann ist der Gewinner auch noch ein Film aus Südkorea.» Das ist korrekt: Bong Joon-hos «Parasite» machte das Rennen, ein grossartiger Film. Aber nicht in den Augen des Kinoexperten Trump: «Wir haben genügend Probleme mit Südkorea», meinte er.

Wer nun glaubt, der US-Präsident sei bei seinem jüngsten Gedankenflug in Pyongyang falsch abgebogen und könne seinen Erzfeind Nordkorea nicht mehr vom Nachbarland unterscheiden, irrt sich gewaltig. Ein Wirtschaftsweiser wie Trump verliert selbstverständlich auch im Kino nicht das grosse Ganze aus den Augen: Probleme hätten die USA mit Südkorea im Bereich des Handels, meinte Trump, «und dann gibt man ihnen obendrauf noch einen Oscar?» Buuh.

Unfeiner Seitenhieb gegen früheren Berufskollegen

Okay, werden nun einige sagen, Trump habe doch keine Ahnung, was Filme anbelangt. Mag sein. Aber der US-Präsident machte keinen Hehl daraus, dass er «Parasite» noch nicht sehen konnte. «Ist er echt so gut?», fragte Trump die versammelten Kino-Connaisseurs von Colorado Springs. «Ich weiss es nicht. Aber können wir ‹Vom Winde verweht› zurückhaben? ‹Sunset Boulevard›, so viele grossartige Filme», meinte Trump.

Viele werden nun etwas überrascht sein, dass Trump nach seiner Karriere als Darsteller von First-Class-Formaten wie «The Apprentice» und epochemachenden Auftritten in solch unverwüstlichen Klassikern wie «Kevin – Allein in New York» seine Schauspielkarriere aufgibt, indem er sich als Filmkritiker neu positioniert. Und dass Trump seinen Seitenwechsel – vom Schauspieler zum Kritiker – mit einem unfeinen Angriff auf einen früheren Schauspielkollegen verband. Also auf Brad Pitt, der seine Rede beim Oscargewinn als bester Nebendarsteller seinerseits für einen Angriff auf den US-Präsidenten nutzte: Er erhalte bei den Oscars mit 45 Sekunden mehr Redezeit als Trumps früherer Sicherheitsberater John Bolton im Impeachment-Verfahren, meinte Pitt.

«Ein kleiner Schlaumeier» sei Brad Pitt, erklärte Trump vor den Filmkennern in Colorado. Also wirklich. Da hätten wir von einem feinsinnigen Intellektuellen wie Trump dann doch etwas mehr erwartet!

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