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Vom Bestseller zum 3-D-Spektakel

Der deutsche Regisseur und Produzent Detlev Buck bringt Daniel Kehlmanns Roman «Die Vermessung der Welt» auf die Leinwand.

Die Biographien von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss werden zusammengeführt: Aufnahme aus dem Film.
Die Biographien von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss werden zusammengeführt: Aufnahme aus dem Film.
ARD

«Man heiratet, wenn man nichts Besseres vorhat», verkündet der junge Alexander von Humboldt am Tisch des Herzogs von Braunschweig. Alexander hat etwas Besseres vor: Er will Naturforscher werden und die Welt bereisen – sehr zum Leidwesen seiner adeligen Mutter.

Ganz anders der kleine Junge, der hinter einer Absperrung wartet und Alexander und dem Herzog beim Speisen zusieht. Carl Friedrich Gauss will nicht in die weite Welt hinaus, sondern bei seiner Mutter bleiben. Aber er will auch lernen und zwar Mathematik. Dafür braucht das hochbegabte Kind, das aus ärmlichen Verhältnissen stammt, Geld. Auch wenn der Kleine dem Herzog nichts auf Kommando vorrechnet, willigt der Herr ein, ihm ein Stipendium zu geben. Alexander fördert er ebenfalls.

Mit diesem ersten Treffen von Humboldt und Gauss werden die Weichen für ihre Lebenswege neu gestellt. Obwohl grundsätzlich unterschiedlich, gibt es Parallelen - genügend, dass Schriftsteller Daniel Kehlmann die beiden Biografien in einem international gefeierten Roman zusammenführte.

Praxis und Theorie

Zwei Ausnahmetalente spielen die Beiden - Albrecht Schuch den neugierigen, disziplinierten Humboldt und Florian David Fitz den genialen Gauss. Während Humboldt nach Ecuador reist und exotische Tiere sammelt, arbeitet der Mathematiker Gauss fieberhaft an seinem Werk.

Dabei stossen beide immer wieder an ihre Grenzen. Humboldt kämpft mit den Naturgewalten und den Lebensbedingungen in Südamerika. Und Gauss verzweifelt fast daran, dass keiner mit seinem schnellen Geist mithalten kann. Jahrzehnte, nachdem sich ihre Wege beim Herzog kreuzten, begegnen sich Gauss und Humboldt schliesslich wieder, was für beide in einer Katastrophe endet...

Unverfilmbar

Mit «Die Vermessung der Welt» hat sich Buck an einen nicht gerade einfachen Stoff herangewagt. Der 2005 erschienene Bestseller, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde und sogar Schullektüre ist, galt als unverfilmbar.

Das hielt aber weder Buck noch Kehlmann davon ab, es zu versuchen. Sie schrieben gemeinsam mit Daniel Nocke das Drehbuch. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Zeitreise in 3-D. Rupft Gauss' spätere Frau etwa Gänse, scheinen die Federn tatsächlich durch den Raum zu schweben. Für den fiktiven Historienstoff habe er eine «physische» Filmwelt erschaffen wollen und so die Vergangenheit für den Zuschauer erlebbarer machen wollen, sagte Buck. «Die Welt, die Humboldt vorgefunden hat, die gibt es so nicht mehr», erläuterte er.

Zwar sind dabei teils beeindruckende Bilder entstanden. So richtig hineingezogen wird der Zuschauer in die Filmwelt aber nicht. Die dreidimensionale Projektion auf der Leinwand wirkt stellenweise eher künstlich und erinnert gar an eine Hologramm-Postkarte.

Viel Fleischeslust

Auch kommt der Film nicht zu einem wirklichen Höhepunkt. Er springt hin und her zwischen den beiden Geschichten. Erst sehr spät bringt Buck sie wieder zu einander, um dann einen neuen Erzählstrang anzureissen - das zerrüttete Verhältnis zwischen Gauss und dessen Sohn.

Ablenkend sind auch die zahlreichen Sexszenen. So viel Fleischeslust will schlicht nicht in eine Geschichte passen, bei der es um zwei Protagonisten geht, denen der Geist viel wichtiger zu sein scheint als das Körperliche.

SDA

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