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Todessüchtig und liebestrunken

Gus Van Sants neuer Film «Restless» ist ein erstaunlich konventioneller Streifen. Dafür kriegt man das Leinwanddebut von Dennis Hoppers Sohn zu sehen.

Seinen Ruf als einer der herausragenden Filmemacher seiner Generation hat sich Gus Van Sant mit stets innovativen Autorenfilmen erarbeitet, von der schwulen Stricherromanze «My Own Private Idaho» bis zur Amokläuferstudie «Elephant». Immer wieder aber war Van Sant auch für künstlerische Überraschungen oder auch kommerzielle Auftragsarbeiten wie das überflüssige Hitchcock-Remake «Psycho» gut.

Einzig der geschmackssichere Einsatz melancholischer Indiepop- Songs und die triste Kulisse Portlands lassen einen auf die entfernte Idee kommen, dass man es bei «Restless» mit einer Regiearbeit von Gus van Sant zu tun hat.

Eine derart altmodisch romantische Komödie hätte man ihm am Allerwenigsten zugetraut. Immerhin: Gus Van Sant widmet sich auch in «Restless» wieder einmal jungen Menschen, die ihren Platz im Leben nicht so recht gefunden haben.

Morbides Hobby

Enoch ist ein klassischer Einzelgänger und Sonderling. Auch an warmen Tagen legt er seinen langen Wintermantel nicht ab. Richtige Freunde hat so ein Typ natürlich nicht, sondern lediglich einen imaginären: den japanischen Kamikazeflieger Hiroshi (Ryo Kase).

Ausserdem pflegt der Schulabbrecher ein skurriles Hobby: Er treibt sich auf Bestattungen wildfremder Leute herum. Eine Leidenschaft, die er mit Annabel teilt, die er bei einer Beisetzungsfeier kennenlernt. Die tragische Komponente dieser Romanze: Annabel leidet an einem Gehirntumor und wird bald sterben.

Leinwanddebüt von Dennis Hoppers Sohn

Der naiven wie romanischen Liebesbeziehung der beiden Ausgestossenen ist so von Beginn an kein Happy End vergönnt. Gleichwohl malt Van Sant diese tragisch-melancholische Geschichte erstaunlich hell und humorvoll aus.

Annabel, mit überzeugender Leichtigkeit gespielt von Mia Wasikowska (»Alice im Wunderland»), geht überraschend souverän und abgeklärt mit ihrem Schicksal um. Henry Hopper wiederum, Sohn von Dennis Hopper, macht in seinem Leinwanddebüt aus Enoch einen schweigsamen, stoischen Typen und wird mit seinem verträumten Hundeblick sicherlich jede Menge junger Zuschauerinnen betören.

Mehr erwartet

«Restless» ist ein bittersüsser Film, der durch seine filmischen wie musikalischen Zitate von Nouvelle Vague bis Sixties Pop geradezu zeitlos wirkt und eine wohlige Melancholie verströmt. Auch wenn der Tod und das Sterben in dieser Geschichte allenthalben präsent sind, so ist «Restless» doch alles andere als ein Schwelgen in Abschied, Trauer und Verlust.

Und anders als so manch früherer Film von Gus Van Sant wird «Restless» die Zuschauer kaum verstören oder überfordern. Das mag man als Kompliment für den Regisseur sehen, viele seiner Fans dürften allerdings etwas mehr von seinem nunmehr 14. Spielfilm erwartet haben.

SDA/phz

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