Zum Hauptinhalt springen

Spaziergang zwischen den Twin Towers

In 420 Meter Höhe balancierte Philippe Petit ungesichert über New Yorks Strassen. Das war 1974 – nun liefert die Doku «Man on Wire» Hintergründe zum kühnsten Stunt aller Zeiten.

Am 7. August 1974, kurz nach sieben Uhr morgens, trauten tausende Menschen in Manhattan ihren Augen nicht. Zwischen den Twin Towers des World Trade Centers ging jemand auf einem Hochseil hin und her. Acht Mal, ohne Fangnetz, ohne Sicherheitsleine.

Philippe Petit hiess der Mann, der New York damals in Atem hielt. Wollte die herangeeilte Polizei ihn fassen, flüchtete der 25-jährige Franzose auf das Drahtseil, das er mit Pfeil und Bogen zwischen die Zwillingstürme gespannt hatte. Erst nach 45 Minuten liess er sich verhaften. Polizisten stiessen ihn die Treppen hinab. «Das war der gefährlichste Teil des Unternehmens», erinnert sich der Anarcho-Akrobat.

Kein Kommentar zu 9/11

Nun wurde Petits Geschichte vom Engländer James Marsh verfilmt. Seine Dokumentation «Man on Wire», die kürzlich in Amerika angelaufen ist, konzentriert sich auf die Vorgeschichte des wohl spektakulärsten Stunts aller Zeiten. Während sechs Jahren sammelte Petit alle Informationen, die er über die Türme kriegen konnte. Sogar den Bauleiter der Türme interviewte er, unter dem Vorwand, Journalist zu sein. Am Abend des 6. August 1974 verschafften er und eine Gruppe Helfer sich Zugang zu den noch nicht fertig gestellten Gebäuden.

Regisseur Marsh will seinen Film nicht als Kommentar zu den Anschlägen vom 11. September verstanden wissen. Doch auch wenn er die Zerstörung der Türme nicht direkt thematisiert, sind gewisse Parallelen unübersichtlich. Wie bei den islamistischen Terroristen, basierte Petits Coup auf gefälschten Identitäten, geschmuggelten Instrumenten und der naiven Beihilfe einiger Amerikaner.

Für Kinder übers hohe Seil

Petits Motivation war freilich eine andere – welche genau, verriet er bis heute nicht. Gegenüber Psychiatern, die ihn nach seiner Verhaftung anhörten, gab er wiederholt an, dass es keinen Grund für seine Tat gebe. Wegen des riesigen internationalen Interesses an Petit, wurde die Anklage gegen ihn schliesslich fallen gelassen. Unter der Bedingung, dass er im Central Park einen Hochseilakt für Kinder vorführe. Dieses Mal gesichert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch