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Schweizer Oscar-Hoffnung: «Die Pokale lagern in einer Kiste»

Der Kurzfilm «Auf der Strecke» hat bereits 33 Auszeichnungen an internationalen Festivals gewonnen. Regisseur Reto Caffi über das Filmbusiness, die Preisgelder und die Chance auf einen Oscar.

Sie haben schon 33 Auszeichnungen erhalten, letztes Wochenende gleich fünf. Freut man sich da überhaupt noch? Immer. Am meisten freuen mich die Publikumspreise. Und die Auszeichnungen, die man an Festivals in fremden Kulturkreisen erhält, zum Beispiel in Japan. Es ist wunderbar, wenn man Leute rund um den Erdball berühren kann.

Haben Sie zu Hause eine Vitrine voller Trophäen? Nein, die Pokale lagern unspektakulär in einer Kiste. Oft sind sie auch gar nicht so schön.

Ist das eigentlich ein Full-Time-Job, an Festivals zu gehen und Preise abzuholen? Festivals besuche ich nur noch vereinzelt, ansonsten arbeite ich am neuen Film-Projekt. Die Vorbereitung ist ziemlich aufwändig; es dauert lange, bis ein Stoff entwickelt ist. Das ist schade, in der Schweiz und in Deutschland gibt es meiner Meinung nach zu wenig Vernetzung zwischen jungen Regisseuren und Autoren. Die Regisseure müssen das Drehbuchschreiben meist selbst übernehmen, entsprechend lange dauert die Vorbereitungszeit.

Lebt ein Kurzfilmer von Preisgeldern? Momentan ja. Das ist aber ein Glücksfall, darauf kann man nicht spekulieren. Die Preise ermöglichen mir, dass ich mich in den nächsten Monaten auf das Schreiben konzentrieren kann.

Einer der wichtigsten Preise war der Studenten-Oscar. Wie war das, den in Los Angeles entgegenzunehmen? Leute zu treffen, von denen man schon unzählige Filme gesehen hat, war grossartig. Erfahrene Filmleute wie der Kameramann von Martin Scorsese erwiesen sich als sehr interessiert und hilfsbereit. Bei allen Vorbehalten gegenüber der amerikanischen Filmindustrie – es ist schon schön zu erleben, welcher Stellenwert in den USA dem Nachwuchs zuteil wird.

Ist das in der Schweiz anders? Hierzulande begegnet man jungen Filmemachern mit mehr Skepsis, das war mitunter ein Grund, weshalb ich mich für ein Studium in Deutschland entschloss. Inzwischen hat sich die Lage aber verbessert, dank einer Reihe erfolgreicher Schweizer Produktionen von jungen Regisseuren.

Kommen mit den Preisen auch die Angebote von Produzenten? Es wäre schön, wenn ich mit Drehbüchern überschüttet werden würde. Dem ist aber nicht so. Natürlich ist das Interesse an einer neuen Produktion gross. An gute Bücher heranzukommen ist aber unglaublich schwer. Deshalb werde ich mit meinem Co-Autor Philippe Zweifel den nächsten Film wohl auch wieder selber schreiben.

Einen grossen Anteil am Erfolg des Filmes hat bestimmt auch Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker. Er vollbringt im Film eine Glanzleistung. Absolut. Er ist ein grosser Glücksfall, nicht nur wegen seiner schauspielerischen Leistung. Seine Zusage war wie eine Art Gütesiegel für das Projekt und half dabei, weitere tolle Schauspieler auch für die kleineren Rollen zu gewinnen.

Jetzt besteht auch die Chance, einen grossen Oscar zu gewinnen, «Auf der Strecke» steht auf der Longlist für den besten Kurzfilm. Auf der Liste stehen 100 Filme, alle Gewinner der grossen Festivals. Die Konkurrenz ist extrem hart. Immerhin besteht eine winzige Chance, und das ist bereits sehr schön. Es ist schon etwas absurd, zu sehen, was aus dem kleinen Studenten-Abschlussfilm alles geworden ist.

Den Frack für die Verleihung haben Sie also noch nicht bereitgestellt? Nein, nein. Ich bin auch eher skeptisch, will mich nicht darauf verlassen, dass dies klappt.

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