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Rausch und Kater

Tag 1: Komiker Steve Carell macht Ernst – als leidgeprüfter Vater eines Drogensüchtigen in «Beautiful Boy».

Das hätte ja heiter losgehen können am Zurich Film Festival (ZFF). Aber nein, Steve Carell macht da nicht mehr mit. Komödien dreht der Mann bloss noch vereinzelt, und man darf schon dankbar sein, wenn er einen im Kino nicht mehr zu Tode erschreckt wie als psychopathischer Milliardär und Wrestlingcoach in «Foxcatcher»

Was uns der belgische Regisseur Felix Van Groeningen mit «Beautiful Boy» (Galapremiere) vorsetzt, ist allerdings schauderhaft genug. Carell spielt da einen Mittelschichtsvater, der nochmals geheiratet hat und mit seiner neuen Familie ein durchschnittliches Leben führt. Bis ihm auffällt, dass der 18-jährige Sohn aus erster Ehe (Timothée Chalamet) süchtig ist nach Crystal Meth. Darauf beginnt eine – leider – ziemlich berechenbare Abwärtsspirale zu drehen.

Er schnurrt immer mehr in sich zusammen

Carells Vaterfigur hofft und verzweifelt und schimpft und recherchiert wie besessen. Es hilft nichts. Der Sohn spritzt und entzieht und leidet und lügt wie gedruckt. Es hilft nichts. Die Droge ist stärker. Kleiner Trost: Der physische und psychische Schmerz überträgt sich dank Carell und Chalamet auf den Zuschauer, auch und gerade, weil Regisseur Van Groeningen («The Broken Circle») seinen Film als Rausch und Kater zugleich inszeniert. Mit brüsken Zeitsprüngen. Mit greller Musik. Mit Reisen zwischen Los Angeles, San Francisco und New York. Mit Chalamet, dessen Drogenspiel erschreckend authentisch wirkt. Und mit Carell, der als untröstlicher Vater immer mehr in sich zusammenschnurrt. Lustig ist das nicht. Aber zum Mitleiden gut.

Spielzeiten am ZFF: 28.9., 21 Uhr, Le Paris. 30.9., 15 Uhr, Corso 1. 4.10., 21 Uhr, Arena 4.

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