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Professor Sigmund Freuds Dauerlehre

Was die Psychoanalytiker wissen und können müssen: Eine Tagung in Zürich verhandelte einen unmöglichen Beruf.

Gute Fragen sind schnell gestellt und schwer zu beantworten. Was macht einen guten Psychoanalytiker, eine gute Psychoanalytikerin aus? Wie gebildet müssen sie sein, wie sollen sie ausgebildet werden, wie sich weiterbilden? Schon Sigmund Freud sprach von einem «unmöglichen Beruf», obwohl er ihn doch erfunden hatte. Viele seiner Erkenntnisse haben sich durchgesetzt; dennoch steht die Psychoanalyse wenn schon nicht als Kulturtheorie, so doch als Therapiemethode unter grossem Rechtfertigungsdruck. Kritiker werfen ihr vor, zu teuer zu sein, zu lange zu dauern und den Erfolg ihrer Methode nicht recht belegen zu können.

Das löste in der Branche lange Zeit Abwehr und dann wachsende Selbstkritik aus. Das war auch der Zürcher Tagung vom Samstag zur Psychoanalyse und ihrer Bildung anzumerken. Die Zürcher Psychoanalytikerin Eva Schmid etwa spricht von einer anhaltenden Krise der Methode und zitierte eine amerikanische Umfrage von 1997, wonach nur noch 40 Prozent der Analytiker klassische Psychoanalysen mit mehreren Wochensitzungen verrichteten. Ihr Kollege Peter Passett fragt sich gar, ob man beim analytischen Prozess nicht von einer «gelungenen Suggestion» sprechen solle, also dem Gegenteil der freudschen gleichschwebenden Aufmerksamkeit. An diese hat sich auch Freud nicht immer gehalten, wie Passett entlang der Memoiren einer Schweizer Ärztin lustvoll nachweist. Anna G. hatte 1921 die freudsche Couch in Wien aufgesucht. Und schon in der ersten Stunde eröffnete der Professor der jungen Frau eine umfassende Deutung ihrer ödipalen Wünsche.

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