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Matchpoint Frau

1973 forderte ein ehemaliger Wimbledon-Champion die beste Tennisspielerin der Welt heraus – das Spiel wird jetzt als «Battle of the Sexes» verfilmt.

Der Herausforderer trug eine gelbe Sugar-Daddy-Jacke – und bekam für die Werbung ein Honorar von 50'000 Dollar.
Der Herausforderer trug eine gelbe Sugar-Daddy-Jacke – und bekam für die Werbung ein Honorar von 50'000 Dollar.
Keystone
Die Königin auf dem Platz war aber eindeutig die Frau. Billie Jean King wurde auf einem Pharaonenthron reingetragen und gewann die über drei Gewinnsätze gehende Begegnung sicher.
Die Königin auf dem Platz war aber eindeutig die Frau. Billie Jean King wurde auf einem Pharaonenthron reingetragen und gewann die über drei Gewinnsätze gehende Begegnung sicher.
Keystone
Billie Jean King ist jetzt 72 Jahre alt und setzt sich immer noch für gleiche Rechte im Sport und überhaupt ein. Auch dafür bekam sie 2009 von Barack Obama die Freiheitsmedaille.
Billie Jean King ist jetzt 72 Jahre alt und setzt sich immer noch für gleiche Rechte im Sport und überhaupt ein. Auch dafür bekam sie 2009 von Barack Obama die Freiheitsmedaille.
Keystone
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Aufschlag Steve Carell. Der US-Komiker steht gegenwärtig stundenlang auf dem Tennisplatz. Nein, nicht zum Plausch, sondern für einen Film, dessen Dreharbeiten in Los Angeles begonnen haben. Er spielt den 55-jährigen Bobby Riggs, der 1973 die beste Tennisspielerin, Billie Jean King, damals 28 Jahre alt, herausforderte. Der Match ging als «Battle of the Sexes» in die Geschichte ein. Die Frau gewann.

Bobby Riggs (1918–1995) war kein schlechter Spieler, im Gegenteil. 1939 gewann er Wimbledon und das US-Open. Er war aber auch ein Lebemann und Gambler, mit Wetten auf seine eigenen Siege soll er mehr Geld verdient haben als mit dem Sport. Und er war der festen Überzeugung, dass Frauen im Tennis grundsätzlich keine Chancen haben gegen Männer. Was er bei jeder sich bietenden Gelegenheit laut heraustrompetete.

Der Kampf der Geschlechter war einseitig

Damit kam er mit Billie Jean King gerade an die Richtige. Die heute 72-Jährige zwölffache Grand-Slam-Siegerin setzte sich vom Beginn ihrer Karriere an für die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann ein. Und als Grossmaul Riggs im Mai 1973 einen ersten «Kampf der Geschlechter» gegen die auch nicht so schlechte Margaret Court – sie führte damals die Frauen-Preisgeldrangliste an – glatt gewann, nahm sie die Herausforderung an: Ein Duell über die «Männerdistanz» von drei Gewinnsätzen und mit einem Preisgeld von 100'000 Dollar, wobei der Sieger (oder eben die Siegerin) alles kassieren durfte.

Das Spiel fand am 20. September 1973 vor 30'492 Personen in Houston statt, am Fernsehen war es in 36 Ländern zu sehen. Die Aufmerksamkeit für den Schaukampf war riesig: King kam als Königin Kleopatra auf den Platz, als Sklaven verkleidete Muskelmänner trugen sie auf einem Pharaonenthron. Dann folgte Riggs in einer Rikscha, gezogen von Models. Er trug eine gelbe Jacke als Werbung für einen Schokoriegel namens Sugar Daddy. Erst im dritten Game zog er sie aus, was ihm bereits einen Zuschuss von 50'000 Dollar einbrachte.

Als Dokumentarfilm gibts «Battle of the Sexes» schon. Der Spielfilm dürfte in ungefähr einem Jahr starten.Auf dem Platz hatte er aber wenig zu lachen. Der Mann ging zwar mit 4:2 in Führung, aber dann hatte sich die gut vorbereitete Billie Jean King auf sein Spiel eingestellt und gewann relativ locker mit 6:4, 6:3, 6:3. «Sie war zu gut für mich, zu schnell», musste der Verlierer anerkennen. Und die Siegerin sagte: «Ich musste einfach gewinnen. Es hätte sonst unsere Sache um 50 Jahre zurückgeworfen.» Tatsächlich war dieses Spiel ein Meilenstein auf dem Weg zu gleichen Preisgeldern für Männer und Frauen, die es heute bei den Grand-Slam-Turnieren gibt.

Regie im Geschlechterkampf führt ein Ehepaar

Diese Geschichte ist natürlich ein Stoff, aus dem moderne Sportfilme sind. Tatsächlich ist Hollywood schon lange daran, es gibt ein HBO-Projekt über den Tennismatch, in dem Elizabeth Banks und Paul Giamatti die Hauptrollen spielen sollen. Und eine andere Produktionsgesellschaft will das Leben von Bobby Riggs mit dem Komiker Will Ferrell in der Hauptrolle verfilmen.

Das Rennen um den ersten Spielfilm macht jetzt aber wohl das Projekt von Fox Searchlight. Billie Jean King wird darin von Emma Stone gespielt, die für ihren Auftritt in «Birdman» eine Oscarnominierung für die beste Nebenrolle erhalten hatte. Und Komiker Steve Carell, der in «Foxcatcher» schon als Ringsportfan zu sehen war, spielt schon wieder einen Sportler-Part. Wobei der Ton des Tennisfilms auch komödiantische Züge tragen soll. Regie im Kampf Mann gegen Frau führt nämlich ein Ehepaar: Jonathan Dayton und Valerie Faris bewiesen bereits mit ihrem Hit «Little Miss Sunshine», dass sie Ernstes und Lustiges brillant mischen können.

Ob der Film, der frühestens in einem Jahr in die Kinos kommen wird, mit dem Match selber endet, ist noch geheim. Sicher ist: Der Kampf der Geschlechter war damit noch lange nicht zu Ende. Viele Männer konnten die Niederlage nicht akzeptieren, bald kam das Gerücht auf, Riggs habe hohe Summen auf seine Gegnerin gesetzt und absichtlich verloren. Auch von Wettschulden gegenüber der Mafia war die Rede. Riggs selber versuchte die Gerüchte mit einen Lügendetektortest zu zerstreuen. Er blieb mit Billie Jean King befreundet, die ihn nach seinem Tod 1995 als «Helfer der Frauen im Tennis und ganz allgemein» bezeichnete.

Viel zu wenig Preisgeld von Donald Trump

Tennisspiele zwischen Mann und Frau fanden auch später noch statt. 1992 verlor die 35-jährige Martina Navratilova gegen den fünf Jahre älteren Jimmy Conners 5:7, 2:6. Und 1998 verkündeten die damals 17- und 16-jährigen Williams-Schwestern, dass sie jeden Mann ausserhalb der besten 200 der Weltrangliste schlagen könnten. Der Deutsche Karsten Braasch, die Nummer 203 der Welt, nahm die Wette an. Und gewann sowohl gegen Serena (6:1) als auch gegen Venus (6:2) locker, obwohl Braasch auf Wikipedia als Mann beschrieben wird, «dessen Trainings um ein Päckchen Zigaretten und ein paar eisgekühlte Biere kreisten». Die Schwestern korrigierten sich daraufhin und sagten, sie könnten jeden ausserhalb der Top 350 schlagen, was allerdings nie überprüft wurde.

Nicht zustande kam im letzten August auch ein Spiel zwischen John McEnroe (56) und der inzwischen 34-jährigen Serena Williams. Der Präsidentschaftskandidat Donald Trump habe ihm einen solchen Match vorgeschlagen, sagte McEnroe in der TV-Show von Jimmy Kimmel, er habe jedoch abgelehnt, weil Boxfan Trump für das Tennisspiel ein viel zu tiefes Preisgeld angesetzt habe. Der immer noch ehrgeizige McEnroe behauptete, dass er im Tennis gegen Serena ausgezeichnete Chancen hätte. Wobei er frotzelnd anfügte: «Im Boxen wäre ich weniger zuversichtlich.»

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