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«Männer wissen bei Frauen Tiefe zu schätzen – allerdings nur beim Ausschnitt»

Am Filmfestival in Cannes werden auch dieses Jahr wieder grosse Filme zu sehen sein. Kein einziger der nominierten Streifen jedoch stammt von einer Regisseurin.

Wird das Filmfest moderieren: Schauspielerin Bérénice Bejo. (Archivbild)
Wird das Filmfest moderieren: Schauspielerin Bérénice Bejo. (Archivbild)
AFP

Mehr als 90 Spielfilme, ein Grossaufgebot an Stars, 4600 Journalisten und 300 Fernsehteams: Das am Mittwoch beginnende 65. Festival von Cannes dürfte auch in diesem Jahr seinem Ruf als weltweit grösstes Filmfest gerecht werden. Insgesamt 22 Filme bewerben sich im offiziellen Wettbewerb um die begehrte Goldene Palme.

Mit von der Partie ist wieder der Österreicher Michael Haneke, der 2009 mit «Das weisse Band» die Goldene Palme gewann. Diesmal präsentiert er den Film «Amour» mit den französischen Darstellern Jean-Louis Trintignant und Isabelle Huppert. Sein Landsmann Ulrich Seidel schaffte es ebenfalls in den Wettbewerb - mit der von Deutschland mitproduzierten Komödie «Paradies Liebe».

Internationales Angebot

Eröffnet wird das berühmte Festival an der Côte d'Azur mit «Moonrise Kingdom» des US-Regisseurs Wes Anderson, der mit Bruce Willis, Bill Murray und Tilda Swinton eine Starbesetzung zu bieten hat. Im Rennen um die «Goldene Palme» sind noch drei andere US-Filme: «Mud» von Jeff Nichols, «Lawless» von John Hillcoat und «The Paperboy» von Lee Daniels mit Zac Efron und Nicole Kidman.

Gut vertreten ist auch Frankreich, das sich mit drei Streifen um die höchste Auszeichnung bewirbt, darunter «De Rouille et d'Os» («Rost und Knochen») von Jacques Audiard und «Vous n'avez encore rien vu» («Ihr werdet Euch noch wundern») des Altmeisters Alain Resnais. Das Angebot des offiziellen Wettbewerbs ist auch in diesem Jahr sehr international: Um die Auszeichnungen konkurrieren auch Filme aus Australien, Ägypten, Brasilien, Dänemark, Grossbritannien, dem Iran, Kanada, Mexiko, Rumänien, Südkorea und der Ukraine.

Keine Frauen nominiert

Unter dem Titel: «In Cannes zeigen die Frauen ihre Schönheit und die Männer ihre Filme» protestieren berühmte französische Filmemacherinnen dageben, dass dieses Jahr sämtliche nominierten Filme von Männern stammen.

«Das Festival von Cannes 2012 erlaubt es Wes, Jacques, Leos, David, Lee, Andrew, Matteo, Michael, John, Hong, Im, Abbas, Jen, Sergei, Cristian, Yousry, Jeff, Alain, Carlos, Walter, Ulrich, Thomas, zu zeigen, dass Männer bei Frauen Tiefe zu schätzen wissen - allerdings nur bei ihrem Ausschnitt», schreiben Coline Serreau, Virginie Despentes und Fanny Cottencon in einem Artikel für «Le Monde».

Zu den Weltstars, die über den legendären roten Teppich die 24 Stufen des Festivalpalastes hinaufsteigen werden, gehören den Veranstaltern zufolge Nicole Kidman, Brad Pitt, der in dem Film des Australiers Andrew Dominik «Killing them softly» zu sehen ist, und das Traumpaar der «Twilight»-Vampir-Filme, Kristen Stewart und Robert Pattinson. Sie spielen zusammen in der Jack-Kerouac-Verfilmung «On the road» des Brasilianers Walter Salles. Erwartet werden an der Côte d'Azur auch Robert de Niro, Roman Polanski und Nastassja Kinski.

Der britische Regisseur Ken Loach zeigt in Cannes sein Werk «The Angel's Share». Zurück im Wettbewerb ist auch der Däne Thomas Vinterberg mit seinem Film «The Hunt», der bereits 1998 für «Das Fest» ausgezeichnet wurde. Insgesamt werden während des zwölftägigen Festivals 90 Spielfilme gezeigt, davon 20 in dem Nebenwettbewerb «Un certain regard» («Ein gewisser Blick»), der weniger bekannte Regisseure vorstellt. Auch der Tier-Animationsfilm Madagascar 3 in 3-D hat in Cannes Premiere.

«The Artist»-Star moderiert

Zum Abschluss des Festivals soll in diesem Jahr der letzte Film des kürzlich verstorbenen französischen Regisseurs Claude Miller gezeigt werden, «Thérèse D.». Geehrt wird auch Marilyn Monroe, die vor 50 Jahren starb. Ein Porträt der legendären Diva wird den Festival-Palast schmücken und ist auch auf dem offiziellen Plakat zu sehen.

Moderiert wird das Filmfest von der Schauspielerin Bérénice Bejo, die durch den Stummfilm «The Artist» international bekannt wurde. Der vom Italiener Nanni Moretti geleiteten Jury gehören auch das «enfant terrible» der Pariser Modeszene, Jean-Paul Gaultier, und die in Paris lebende gebürtige Deutsche Diane Kruger an. Das Festival endet am 27. Mai mit der Preisverleihung.

Im vergangenen Jahr hatte das mystische Familiendrama «The Tree of Life» von US-Regisseur Terrence Malick die Goldenen Palme erhalten. Als beste Schauspielerin wurde Hollywoodstar Kirsten Dunst für ihre Rolle in «Melancholia» geehrt. Den Preis des besten Schauspielers erhielt der Franzose Jean Dujardin für seine Rolle in «The Artist».

AFP/kle

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