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Kino Atelier plant zwei neue Säle

Mehr Besucher im vergangenen Jahr stimmen die Basler Kinobetreiber optimistisch. Das kult.kino verfolgt sogar Ausbaupläne und möchte das Atelier um zwei Säle erweitern.

Das kult.kino will seinen besten Standort, das Atelier am Theaterplatz, stärken.
Das kult.kino will seinen besten Standort, das Atelier am Theaterplatz, stärken.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Abwärtsspirale des Kinos nicht so unaufhaltbar, wie Kultur­pessi­misten behaupten: Zum ersten Mal seit drei Jahren haben die kommerziellen Basler Kinos 2012 wieder einen Besucherzuwachs verzeichnet. Laut dem Branchenverband Pro Cinema zählten die Kinos Pathé, kult.kino und Kitag mit 802 702 Eintritten vier Prozent mehr Zuschauer als im Vorjahr. Den Präsidenten des Verbands der Basler Lichtspieltheater (VBL), Antonio Annecchiarico, freut besonders, dass sich sowohl das Arthousekino mit «Intouchables» als auch das Block­buster-Kino mit «Skyfall» und «The Hobbit» ­positiv entwickelt haben.

Die Kinobetreibergeben sich dennoch nur verhalten optimistisch: «Wir sind ziemlich zufrieden mit dem letzten Jahr», sagt Annecchiarico, diesmal in der Funktion des Pathé-Regionaldirektors. Ohne genaue Zahlen nennen zu wollen, sagt er, dass die Basler Pathé-Kinos, das Küchlin, das Eldorado und das Plaza, über eine halbe Million Zuschauer verzeichnet hätten. Vor allem die zweite Jahreshälfte sei gut gewesen: «‹Skyfall› und ‹The Hobbit› haben uns das Jahr gerettet.» Die Sommerfilme «Ice Age», «The Amazing Spider-Man» und «The Dark Knight Rises» hätten dagegen an der Kinokasse enttäuscht.

Vorsichtiger Optimismus

Suzanne Schweizer, Geschäfts­leiterin der kult.kinos, die neben den Atelier-Kinos beim Theater auch das Club und das Camera betreiben, schlägt einen ähnlich vorsichtigen Ton an: «2012 war leicht besser als 2011, aber kein Vergleich zu den goldenen Kino­zeiten der Jahre 2004 bis 2006.» 2012 hätten sie 188'198 Besucher gezählt, das seien 10'000 mehr als im Vorjahr. Am besten liefen in den kult.kinos die Filme «Intouchables» und «More Than Honey».

Am positivsten klingt Nicole Reinhard vom Stadtkino, das sich mit seinen Retrospektiven und Themenreihen an ein Liebhaberpublikum wendet: «Die Zahlen von 2012 sehen gut aus.» Während das Stadtkino 2011 noch 24'400 Eintritte verbuchte, waren es 2012 erfreuliche 26 808. Die Kitag dagegen, die das Capitol, das Rex und das Central betreibt, liess die An­frage der BaZ unbeantwortet; zählt man allerdings die Eintritte von Pathé und den kult.kinos zusammen, dürften sie 2012 ungefähr 114'000 Eintritte gezählt haben, was Branchenkennern zufolge ein eher ernüchterndes Resultat bei fünf Sälen ist.

Die Digitalisierung als Chance

Über hundert Jahre hat das Lichtspieltheater mittlerweile auf dem ­Buckel, und es fasziniert noch immer, wie die aktuellen Zahlen belegen. Als «Live-Veranstaltungs-Erlebnis», zu dem neben Leinwand und Publikum genauso die Kassiererin, der Abreisser und das abschliessende Glas Wein zählen, beschreiben Cinephile das Eintauchen in fremde Leben fern des tosenden Alltags und der singenden Handys. In der Kinogeschichte ist aber auch ­immer wieder von Krisen die Rede. Von technischen Innovationen, die einen Publikumsrückgang nach sich zogen. Wie etwa das Fernsehen, welches das Kino in den 1950er-Jahren zu konkurrenzieren begann, als der US-Bürger durchschnittlich noch drei Mal die ­Woche ins Kino ging. Später kamen die Videos hinzu, dann die DVDs, und nun ist es die Digitalisierung, die nicht nur die Operateure aus den Kinos vertrieben, sondern auch in die Privatheit Einzug genommen hat, indem sie die Wohnzimmer zu Home-­Cinemas umgestaltete.

Die Digitalisierung hat aber auch ihre positive Seite. Hansmartin Siegrist, Dozent am Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel, beschreibt sie gar als Erfolgsgeschichte. «Auf der Produktionsebene bedeutet die Digitalisierung eine Demokratisierung des Filme­machens. Heute hat bereits ein begabter Schüler die Möglichkeit, seinen eigenen Film zu drehen.» Und das wäre eigentlich auch eine Chance für das auf Programmvielfalt ausgerichtete Kino: «Es entstehen so viele Filme wie noch nie.» Die Kinorealität sehe aber leider anders aus. «Weil die Datenpakete im Unterschied zu den Filmkopien kaum etwas kosten, können alle Kinos alle Filme gleichzeitig zeigen.» So würden die grossen Blockbuster wie etwa «Skyfall» heute flächendeckend abgespielt.

Dies führt laut Siegrist zu der paradoxen Situation, dass die grossen Kinoketten heute deutlich weniger Filme zeigen als noch vor zehn Jahren, als die teuren Kopien umständlich herumgeschickt werden mussten. Auch zieht es eine Durchmischung der Profile mit sich. «Heute können alle Kinos alles zeigen. Und genau deshalb ist ein Ausbau dort notwendig, wo Vielfalt als Strategie gewählt wird.» Denn, und da ist sich Siegrist ­sicher, nur ein professionell zusammengestelltes und aufs jeweilige Haus zugeschnittenes Angebot, das sich klar vom Heimkino unterscheidet, kann die ­Leute auf Dauer im Kinosessel ­behalten.

Verdrängung in der Theaterpassage

Es erstaunt deshalb nicht, dass das kult.kino, die zweitgrösste Basler Kinokette, Ausbaupläne hat: Die Anzahl Säle im ­Atelier beim Theater soll von drei auf fünf aufgestockt werden. «Derzeit stellen wir die Unterlagen für den Ratschlag zusammen, den der Grosse Rat dann noch genehmigen muss», sagt Suzanne Schweizer. Denn die Atelier-­Kinos sind in der Theaterpassage, die wie das Theater dem Staat gehört, bloss zur Miete. Um die Kinopläne realisieren zu können, wurde drei Geschäften in der Theaterpassage bereits gekündigt: Die Boutique Maggi’s Corner, das Coiffeurgeschäft Nino Suda und das Musik­geschäft Swagata müssen dem Raumbedarf des kult.kinos weichen.

Mit dem Ausbau möchten die Betreiber der kult.kinos ihren besten Standort stärken – oder anders gesagt: einen noch besseren Ort für den guten Film schaffen. Ob das Konsequenzen für die beiden anderen Standorte am Marktplatz und am Claraplatz hat oder sogar zu einer Schliessung führen wird, kann Schweizer zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Das entscheiden wir erst, wenn wir so weit sind.» Und sie fügt an: «Es ist vor allem davon abhängig, wie sich das Kino­geschäft entwickelt.»

Schwieriger Standort

Auch wenn die Basler letztes Jahr wieder vermehrt ins Kino gingen, im Vergleich zu anderen Städten der Deutschschweiz steht Basel nicht besonders gut da. Laut Pro Cinema verzeichneten Zürich und Bern 2012 gegenüber 2011 ein Besucherplus von je 8,5 Prozent, Luzern eines von 8,3 Prozent. Einen Besucherrückgang mussten dagegen die Kinos im Tessin (Lugano: –4,4 Prozent) und in der ­Romandie (Genf: –4,3 Prozent, Lau­sanne: –1,2 Prozent) hinnehmen.

Seit Jahren wird darüber gewerweisst, warum Basel weniger Leute ins Kino holt als die anderen deutschsprachigen Städte. Siegrist führt dies darauf zurück, dass Basel keine ausgesprochene Kinostadt sei. «In Basel sind andere Sparten stärker. Zum Beispiel das Theater und die Musik, und das war schon immer so.» Auch sei das hiesige kulturelle Angebot so vielfältig, dass die Wahl oft auf etwas anderes als das Kino falle.

Als einen der wichtigsten Gründe erwähnt er jedoch die geografische Lage der Stadt: «Das Umland der Grenzstadt Basel ist viel kleiner als jenes von anderen Städten. Die Kinopreise orientieren sich am Schweizer Lohnniveau, weshalb es Elsässer und Deutsche nicht ins Basler Mainstream-Kino zieht. Aber vielleicht hie und da in einen anderen guten Film.» Laut Romy ­Gysin vom kult.kino spielt auch die Basler Bevöl­kerungsstruktur eine Rolle. Basel habe «viele alte Menschen, Ausländer und Expats, die nicht ins Kino gehen» würden. Zudem beklagt sie bei den Medien eine «karge Filmberichterstattung».

Lunchkino und Movie-Talks

Die Arbeit wird den Basler Kino­betreibern so schnell nicht ausgehen. Sie haben denn auch ihre Strate­gien, wie sie das Publikum wieder vermehrt in ihre Säle holen wollen: Das kult.kino setzt auf Besucherpflege. Heisst: Mehrwert in Form von Premieren mit Movie-­Talks, Ciné-Diners und die Kinobar. «Wir möchten so viele Hintergrund­informationen wie möglich vermitteln und uns um die verschiedenen Ziel­publika kümmern.» Das Pathé legt seinerseits Wert auf die neuesten Technologien bei den Projek­tions­verfahren und bietet ein Lunch­kino an. Des Weiteren werben Basler ­Kinos mit Familienvergünstigungen und Kino-­GAs.

Das Stadtkino schliesslich hat inzwischen realisiert, dass auch ein Kino, das sich ganz der Filmgeschichte verschrieben hat, heutzutage nicht ohne digitalen Projektionsapparat betrieben werden kann. Darum wird zurzeit emsig Geld gesammelt für einen solchen Projektor. Wenn die Kinos den Mut nicht verlieren und weiterhin auf Ausbau setzen, wird die Digitalisierung vielleicht tatsächlich mal noch zu der Erfolgsgeschichte für das Lichtspieltheater, die sie sein könnte.

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