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«Ich habe die exzessive Gewalt gemocht»

Das Drama «Lawless» hat Cannes mit seiner Brutalität überrascht. Das Drehbuch stammt von Rock-Barde Nick Cave. Darin hat auch der bislang fieseste Protagonist des Festivals seinen Auftritt.

Rocker und Drehbuchautor: Nick Cave in Cannes. (19. Mai 2012)
Rocker und Drehbuchautor: Nick Cave in Cannes. (19. Mai 2012)
Keystone

Das Drama «Lawless» aus der Zeit des Prohibition in den USA hat die 65. Internationalen Filmfestspiele Cannes am Wochenende mit seiner Brutalität und Intensität überrascht. In dem Werk von Regisseur John Hillcoat, der zuletzt mit dem Post-Apokalypsenfilm «The Road» auf sich aufmerksam gemacht hatte, spielen Stars wie Gary Oldman, Shia LaBeouf, Tom Hardy und Jessica Chastain mit.

Das Drehbuch stammt vom bekannten Musiker Nick Cave. «Mich hat nicht so sehr interessiert, zu welcher Zeit die Geschichte spielt», sagte der Frontmann der Band «Nick Cave and the Bad Seeds». «Ich habe die Liebesgeschichten und die exzessive Gewalt gemocht.»

Sein Drehbuch basiert auf einem Roman von Matt Bondurant, der darin die wahre Geschichte seines Grossvaters und seiner Grossonkel erzählt. Der Plot handelt von drei Brüdern, die während der Prohibition in den USA Anfang des vergangenen Jahrhunderts verbotenerweise Alkohol brennen. Dabei geraten sie an einen neuen Polizeiagenten, und die Auseinandersetzungen eskalieren immer mehr.

Anklänge an Gegenwart

«Wir haben auch jetzt wieder eine Zeit der Instabilität und Unsicherheit, es gibt eine Menge Parallelen zu der damaligen Zeit», fand Regisseur Hillcoat. So gebe es auch heute wieder eine Finanzkrise, den Kampf gegen Drogen, verunsicherte Menschen.

Mit «Lawless» bleibt der Australier aber in der der Vergangenheit. Er mischt Gangster- und Westernelemente, findet in den Bergen irgendwo im Nirgendwo Virginias das passende Setting und gibt seinen Charakteren Raum für Entwicklung. Shia LaBeouf wächst als jüngster Bruder über sich heraus, während sich Tom Hardy als der eigentliche Kopf der Gruppe neuen Herausforderungen stellen muss.

Dabei findet er in Guy Pearce als verbissener Polizist den brillanten Gegenspieler – der bislang fieseste Protagonist des Wettbewerbs. Doch auch die beiden Frauen, Mia Wasikowska und Jessica Chastain, überzeugen in den Nebenrollen; sie verleihen ihren Figuren eine gewisse Doppelbödigkeit.

Klösterliche Bigotterie

Ganz anders der zweite Wettbewerbsbeitrag von gestern Samstag: «Beyond the Hills» des Rumänen Cristian Mungiu, der 2007 mit seinem Abtreibungsdrama «Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage» die Goldene Palme gewann.

In «Beyond the Hills» stehen zwei junge Frauen im Mittelpunkt. Sie sind zusammen im Waisenhaus aufgewachsen. Nun lebt eine von ihnen im Kloster und die andere, Alina, will sie von dort wegholen.

Mungiu zieht die Zuschauer über zweieinhalb Stunden in diese orthodoxe Welt, wo der Glaube an Gott über allem steht. Doch als Alina gegen die strikten Regeln rebelliert, will die religiöse Gemeinschaft ihr den Teufel austreiben – und verstösst dabei selbst gegen die elementaren Prinzipien christlicher Nächstenliebe.

SDA/ami

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