Homophobes Hollywood

«Carol» feiert die Liebe zweier Frauen. Normalerweise müssen Schwule und Lesben in Filmen für Gags oder Schläge herhalten. Eine Kampagne kämpft dagegen.

Teil der Kampagne «Hollywood Must Do Better»: ein Zusammenschnitt homophober Szenen aus Hollywood-Filmen der vergangenen fünf Jahre.

Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Hollywood liebt Liebesgeschichten. Mann trifft Frau, das Publikum ist ziemlich sicher, dass sie einander am Ende kriegen werden – natürlich erst nach diversen Hindernissen, die es zu überwinden gilt. Im neuen Film «Carol», der vergangene Woche in den Deutschschweizer Kinos angelaufen ist, fünf Golden-Globes-Nominationen erhalten hat und als Favorit für die Oscars gilt, gibt es ebenfalls zwei Liebende.

Aber dass alles in einer Katastrophe enden wird, scheint sicherer als ein Happy End. Denn bei den Liebenden handelt es sich um zwei Frauen – Cate Blanchett als Carol und Rooney Mara als Therese. Grosse Liebesgeschichten mit zwei Frauen oder zwei Männern in der Hauptrolle sind in Hollywood äusserst selten, und noch viel seltener nehmen sie ein positives Ende. Ganz im Gegenteil.

Zielscheibe für Witze

«Wir sind immer noch eine Zielscheibe für Witze. Wir sind immer noch selten zu sehen, und wenn wir zu sehen sind, dann in einem negativen Licht», sagte Sarah Kate Ellis, Präsidentin der amerikanischen Schwulen- und Lesbenorganisation Glaad bei der Lancierung der Kampagne «Hollywood Must Do Better». Es handelt sich um eine Onlinekampagne, mit der Hollywood seine Homophobie vor Augen gehalten wird. Teil der Kampagne sind Youtube-Videos, die Zusammenschnitte aus Filmen der vergangenen fünf Jahre zeigen, in denen Schwulen und Lesben für Gags oder Schläge herhalten müssen.

Auch Blockbuster wie «The Wolf of Wall Street» mit Leonardo DiCaprio zählen zu den Filmen, in denen Ausdrücke wie «gay», «faggot» oder «homo» Synonyme für Beschimpfungen sind. Die Anti-Gay-Botschaft wird entsprechend weit verbreitet. Auch Szenen aus «Ted 2» mit Mark Wahlberg sind zu sehen. In einer wird Wahlbergs Figur mit Transgender-Pornos erwischt, woraufhin er brüllt: «Ich habe eine Krankheit! Ich brauche Hilfe!»

In 80 Prozent der Filme sind Homosexuelle tabu

Das andere Extrem: Schwule und lesbische Charaktere kommen in zahlreichen Hollywoodfilmen gar nicht erst vor. Laut Glaad war dies in 80 Prozent der Filme der Fall, die 2014 in die Kinos kamen. Hollywood steht diesbezüglich in starkem Gegensatz zu momentan besonders gefeierten Serien wie «Orange Is the New Black» oder «Modern Family», in denen Lesben, Schwule oder Transgender eine viel selbstverständlichere Rolle spielen. Mit ihrer Aktion versucht Glaad die Zuschauer zu sensibilisieren und die grossen Studios in die Pflicht zu nehmen, die sich oft in Ausreden flüchten, wonach Produktionen mit Schwulen oder Lesben in den Hauptrollen sich nicht verkaufen liessen.

Filme wie «Carol» oder auch «The Danish Girl», in dem Oscar-Gewinner Eddie Redmayne einen Transgender spielt und sich damit Hoffnungen auf einen weiteren Oscar machen kann, sind für Glaad wertvoll. «#Carol got 5 nominations for #GoldenGlobes. It's amazing to see LGBT women represented in such a fantastic film», twitterte Sarah Kate Ellis erfreut über die Golden-Globes-Nominationen für «Carol». Es sei grossartig zu sehen, wie lesbische Frauen in einem solch fantastischen Film dargestellt würden.

Weit mehr Potenzial für die Akzeptanz von Homosexuellen sieht Glaad jedoch in kommerziellen Hollywoodstreifen wie Comicverfilmungen oder Fantasyfilmen, die einem grossen Publikum in der ganzen Welt gezeigt werden, auch in Ländern wie Russland oder China, in denen es um die Rechte von Schwulen und Lesben schlecht bestellt ist. Wenn Homosexuelle in Blockbustern eine ganz selbstverständliche Rolle spielen, sei das wie eine Art Trojanisches Pferd im Kampf gegen Homophobie.

baz.ch/Newsnet

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