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Hibbeliger geht kaum

Was passiert, wenn man ein armes Trickfilm-Männchen mit Stroboskopblitzen und Hammondorgeln traktiert? Der heutige Kurzfilm zeigts.

TGIF – thank God it's Friday, denken Sie? Weil Ihre Nerven am Ende dieser Arbeitswoche blank liegen und Sie einfach mal weg müssen von allem? Dann freut es Sie bestimmt, dass es manchen noch schlechter geht als Ihnen. Bekanntlich geht ja nichts über den guten, alten Abwärtsvergleich.

Item: In «Rush», dem psychedelischen Drei-Minuten-Film der beiden Genfer Claude Luyet und Xavier Robel, kann man mitverfolgen, wie einer armen, durch und durch gestressten Seele der überforderte Kragen platzt. Jedenfalls: fast. Aber alles der Reihe nach und also zurück an den Start.

Da werden also einem Trickfilm-Männchen, stilistisch irgendwo zwischen Comic und Höhlenmalerei angesiedelt, in stroboskopischer Bildabfolge neue Köpfe aufgepfropft, mal eckige, mal runde; dazu bewegt das arme Ding seine Zeichentrickbeinchen unaufhörlich und höllisch schnell, ohne jedoch von der Stelle zu kommen. Man kennt so was ja aus Alpträumen, eine schrecklich nervöse Angelegenheit ist das, und dass im Hintergrund eine Hammondorgel auf Speed dudelt und dann offenbar eine Zündschnur abbrennt, steuert auch nicht zur Beruhigung bei (Sound: Gabriel Scotti, ebenfalls aus Genf).

Bild-Farb-Ton-Overflow

Drei gute Minuten dauert das Ganze, und seltener waren sie schwerer auszuhalten. Spätestens, wenn der weisse Grund hinter dem bedauernswerten Protagonisten einer graffitiartigen Tapete weicht, die ebenfalls im Halbsekundentakt wechselt, wünscht man sich, dieser Bild-Farb-Ton-Overflow möge bald vorbei sei. Nicht, weil das Gezeigte reizlos wäre, o nein. Sondern vielmehr, weil es einem beunruhigend bekannt vorkommt: Jeder, der schon mal eine richtig deftige Arbeitswoche hinter sich gebracht hat, kann dieses Alles-zu-viel-und-alles-gleichzeitig wohl bestens nachvollziehen.

Immerhin: Am Schluss, als der unabwendbare Kollaps unmittelbar bevorsteht, zeigen die Macher Herz für ihren Helden – und lassen ihn aufwachen. Blackout, Ton aus, erleichterte Keuchatmung. Nicht gerade ein originelles Ende. Aber für einmal ein wahrlich befreiendes.

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