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Goldener Bär für ungarischen Traumfilm

«On Body and Soul» der Regisseurin Ildikó Enyedi gewinnt den Hauptpreis der Berlinale. Ganz am Rande ist auch die Schweiz am Berliner Preissegen beteiligt.

«On Body and Soul» gewinnt den Goldenen Bären der Berlinale: Die Darsteller (von links nach rechts) Geza Morcsanyi, Reka Tenki, Regisseurin Ildiko Enyedi, Alexandra Borbely und Ervin Nagy an der Premiere des Films in Berlin. (10. Januar 2017)
«On Body and Soul» gewinnt den Goldenen Bären der Berlinale: Die Darsteller (von links nach rechts) Geza Morcsanyi, Reka Tenki, Regisseurin Ildiko Enyedi, Alexandra Borbely und Ervin Nagy an der Premiere des Films in Berlin. (10. Januar 2017)
Getty Images/Le Segretain
Hat neben dem Goldenen Bären auch andere Auszeichnungen für ihren Film gewonnen: Die ungarische Regisseurin Ildiko Enyedi bei der Preisverleihung in Berlin. (18. Januar 2017)
Hat neben dem Goldenen Bären auch andere Auszeichnungen für ihren Film gewonnen: Die ungarische Regisseurin Ildiko Enyedi bei der Preisverleihung in Berlin. (18. Januar 2017)
Tobias Schwarz, AFP
Ihr neuster Film ist eine eigenwillige und hintergründige Liebesgeschichte: Die «On Body and Soul»-Darsteller (von links nach rechts) Reka Tenki, Geza Morcsanyi, Regisseurin Ildiko Enyedi, Alexandra Borbely und Ervin Nagy in Berlin. (10. Februar 2017)
Ihr neuster Film ist eine eigenwillige und hintergründige Liebesgeschichte: Die «On Body and Soul»-Darsteller (von links nach rechts) Reka Tenki, Geza Morcsanyi, Regisseurin Ildiko Enyedi, Alexandra Borbely und Ervin Nagy in Berlin. (10. Februar 2017)
Axel Schmidt, Reuters
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Von Berlinale-Bären durften in den letzten Tagen viele träumen, gewonnen hat jetzt ein Film, in dem ein Traum eine zentrale Rolle spielt: «On Body and Soul» der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi erzählt von zwei Liebenden, die sich näher kommen, weil ihnen Nacht für Nacht zwei Hirsche im verschneiten Wald erscheinen. Dafür gab es den Goldenen Bären der Berlinale.

«Teströl és lélekröl», wie der Film im Original heisst, entpuppte sich dabei als absoluter Liebling der Juroren. Er erhielt nicht nur den Goldenen Bären der Internationalen Jury unter dem Vorsitz von «Basic Instinct»-Regisseur Paul Verhoeven. Auch die Kirche (Preis der ökumenischen Jury) und die Kritiker (Fipresci-Preis) zeichneten ihn aus. Und honorierten so das bildgewaltigste und eigenwilligste Werk des 2017er-Jahrgangs der Berlinale.

Im Siegerfilm geht es allerdings nicht nur um Träume. Die Geschichte spielt ganz konkret auf einem Schlachthof, wo zwei Aussenseiter arbeiten: die junge Qualitätsprüferin Mária, die Mühe hat, mit andern Menschen zu kommunizieren. Und der Vorgesetzte Endre, bei dem nicht nur der Arm verkrüppelt ist. Über die Traumwelt finden sich die beiden und kommen sich auch im richtigen Leben näher. Die hintergründige Liebesgeschichte hat nicht nur die Jurys überzeugt, sondern auch den Schweizer Verleiher Filmcoopi, der «On Body and Soul» in Berlin gekauft hat und im Lauf des Jahres bei uns in die Kinos bringen wird.

Schwer nachvollziehbarer Darstellerpreis

Ebenfalls in Schweizer Kinos zu sehen sein wird der Gewinner des zweitwichtigsten Berlinale-Preises: «Félicité» (Trigon-Film) von Alain Gomis gewann den grossen Preis der Jury. Es geht um eine Sängerin in einer Bar von Kinshasa, die nach einem Unfall ihres Sohnes Geld für eine Operation auftreiben muss. Dabei überzeugen sowohl die Machart des Films aus Afrika als auch die phänomenale Véro Tshanda Beya in der Hauptrolle, die auch einen Preis als beste Hauptdarstellerin verdient hätte. Der ging – auch nicht unverdient – an die südkoreanische Darstellerin Kim Minhee aus «On the Beach at Night Alone» des Festivallieblings Hong Sangsoo, der 2015 Locarno gewann.

Schwerer nachvollziehbar dagegen ist der Darstellerpreis für Georg Friedrich. Der vielbeschäftige Schauspieler aus Österreich ist zwar unzweifelhaft eine markante Erscheinung, er wird in den Schweizer Kinos demnächst in der Josef-Hader-Komödie «Wilde Maus» und im Schweizer Sozialdrama «Marija» zu sehen sein. Den Berlinale-Bären bekam er aber für «Helle Nächte» von Thomas Arslan, eine dünne Vater-Sohn-Geschichte, die keine Schauspielerleistung zu retten vermag.

Kein überragendes Werk

Der Berlinale-Jahrgang 2017 präsentierte aber zahlreiche ansprechende Filme, ohne dass ein alles überstrahlendes Meisterwerk darunter war. Zu den Ausgezeichnete gehören auch «Una mujer fantástica» von Sebastián Lelio aus Chile (Drehbuchpreis), «Ana, mon amour» des rumänischen Regisseur Calin Peter Netzer (für den Filmschnitt). Silberne Bären gab es dazu für zwei gestandene Grössen des internationalen Kinos: Agnieszka Holland aus Polen gewann mit ihrem feministischen Krimirätsel «Pokot» den für neue Perspektiven im Kino, Aki Kaurismäki mit seiner herzzerreissenden Flüchtlingsgeschichte «Die andere Seite der Hoffnung» den für die beste Regie.

Leer aus ging das hochgehandelte Ensemblestück «The Party» mit dem Schweizer Schauspieler Bruno Ganz. Und auch das Max Frisch nachempfundene Drama «Return to Montauk» von Volker Schlöndorff fand keine Gnade vor der Jury. Ein wenig am Berlinale-Preissegen war die Schweiz aber doch beteiligt. «I Am Not Your Negro» von Raoul Peck gewann den Publikumspreis für den besten Panorama-Dokumentarfilm. Die Koproduktion zwischen vier Ländern, an der auch eine Genfer Firma beteiligt ist, hat am nächsten Wochenende erneut Preischancen – dann geht es um die Oscars, wo sie als bester Dokumentarfilm nominiert ist.

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