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Ein produktiver Provokateur

Rosa von Praunheim zählt zu den schillerndsten Figuren des deutschen Films. Am 25. November feiert der exzentrische Regisseur seinen 70. Geburtstag.

Rosa von Praunheim am offiziellen Fototermin zu der Premiere von «Härte» an den Internationalen Filmfestspielen in Berlin, Februar 2015.
Rosa von Praunheim am offiziellen Fototermin zu der Premiere von «Härte» an den Internationalen Filmfestspielen in Berlin, Februar 2015.
EPA/TIM BRAKEMEIER, Keystone
Dokumentarfilmer und Impulsgeber der Schwulenbewegung: Rosa von Praunheim in Berlin, November 2012.
Dokumentarfilmer und Impulsgeber der Schwulenbewegung: Rosa von Praunheim in Berlin, November 2012.
Keystone
An der Beerdigung der Schauspielerin Lotti Huber in Berlin, Juni 1998.
An der Beerdigung der Schauspielerin Lotti Huber in Berlin, Juni 1998.
Keystone
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Einen Namen machte sich Rosa von Praunheim als Dokumentarfilmer und Impulsgeber der Schwulenbewegung in Deutschland. Für einen Skandal sorgte er, als er in einer Talkshow Hape Kerkeling und Alfred Biolek als schwul outete.

«Ich denke, dass ich noch fünf produktive Jahre habe, in denen ich geistig klar bin. Da will ich noch so viel wie möglich schaffen», hatte Praunheim zu seinem 65. Geburtstag gesagt. Und er sollte Wort halten: Zu seinem 70. Geburtstag drehte er nach bisher mehr als 70 Produktionen 70 weitere Filme innerhalb eines Jahres.

«Rosas Welt» besteht aus 63 Dokumentarfilmen und sieben Spielfilmen. Die Themen reichen von Mensch und Tier über Religion und Liebe bis hin zur Sexualität. Zudem veröffentlichte Praunheim den Gedichtband «Ein Penis stirbt immer zuletzt».

Suche nach der leiblichen Mutter

Praunheim, der mit bürgerlichem Namen Holger Mischwitzky heisst, wurde 1942 während der deutschen Besatzung im Zentralgefängnis der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Erst im Jahr 2000 offenbarte ihm seine Mutter, dass er adoptiert worden war. Die Suche nach seiner leiblichen Mutter dokumentierte er 2007 in dem Film «Meine Mütter – Spurensuche in Riga».

Praunheim wuchs am Stadtrand von Berlin auf. 1953 flüchtete die Familie aus der DDR. Seinen Künstlernamen gab sich Praunheim Anfang der 60er Jahre in Erinnerung an den gleichnamigen Stadtteil in Frankfurt am Main, wo er seine Jugend verbrachte und in Gedenken an den «Rosa Winkel», den Homosexuelle im KZ tragen mussten.

Nach einem abgebrochenen Studium der Malerei drehte Praunheim 1967 seinen ersten Kurzfilm «Von Rosa von Praunheim». Es folgten weitere Kurzfilme und trashige Spielfilme wie «Die Bettwurst» (1970). Grosses Aufsehen erregte im Jahr 1971 sein Werk «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt», ein Plädoyer für die Emanzipation von Homosexuellen.

Praunheim forderte darin von Schwulen mehr Mut und politisches Bewusstsein. Der Film war auch unter Homosexuellen umstritten, machte den Filmemacher dennoch zu einem Wegbereiter der Schwulenbewegung in Deutschland. Zudem engagierte sich Praunheim im Kampf gegen Aids.

Porträts über homosexuelle Zeitzeugen der Nazizeit

Auch sonst war Praunheim immer provokant und politisch. 2005 drehte er eine Filmreihe über homosexuelle Zeitzeugen der Nazizeit: «Liebe und Leid – Albrecht Becker», «Umsonst gelebt – Walter Schwatze» und «Schwein gehabt – Joe Luga». Er schilderte die Lebensumstände von männlichen Prostituierten in Berlin (»Die Jungs vom Bahnhof Zoo», 2011) und widmete sich dem Tabu-Thema Tod (»Das Todesmagazin oder: Wie werde ich ein Blumentopf?»).

Filmische Porträts sind die Lieblingsdisziplin Praunheims. In etlichen Dokumentar- und Spielfilmen widmete er sich schillernden Persönlichkeiten wie dem Transvestiten Charlotte von Mahlsdorf (»Ich bin meine eigene Frau»), der Tänzerin Anita Berber (»Anita, Tänze des Lasters», 1986) oder dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (»Der Einstein des Sex», 1999).

Stars seiner Filme waren immer wieder starke Frauen. In «Rosas Welt» verbeugt er sich unter anderen vor der Schauspielerin Eva Mattes und der Sängerin Sandra Weigl sowie vor einer polnischen Putzfrau namens Dorota.

SDA

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