«Er konnte ja gar nicht ausreden!»

In seiner Korankritik stützte sich Komiker Andreas Thiel bei Schawinski auf den Philosophen Manfred Schlapp. Dem ist nicht wohl dabei.

Streithähne: Roger Schawinski und Andreas Thiel in der «Schawinski»-Ausgabe vom 15.12.2014.

Manfred Schlapp war Thiels Gewährsmann während der umstrittenen Talksendung mit Roger Schawinski. Gleich mehrmals bezog sich der Komiker auf den promovierten Philosophen, der in Liechtenstein unterrichtet.

Der gebürtige Österreicher Schlapp, der in den letzten Jahren regelmässig zu Islamfragen publiziert hat («Die Assassinen lassen grüssen», «Eine peripatetische Ästhetik der muslimischen Welt»), steht Islamkritiker Thiel durchaus mit Wohlwollen gegenüber. «Er hat mein Buch offenbar tatsächlich gelesen, wie ich im mündlichen Austausch mit ihm feststellen konnte», sagt Schlapp. Doch während des hitzigen Talks mit Schawinski sei Thiel schlicht nicht dazu gekommen, seine Argumentation voll zu entfalten: «Er konnte ja gar nicht ausreden!» Schawinski habe ihm fast leidgetan, «als er wie ein Jüngling die Contenance verloren hat».

Die Meldung des Onlineportals Infosperber, wonach er Thiels Zitat «als fürchterlichen Irrtum» betrachte, dementiert Schlapp gegenüber baz.ch/Newsnet: «Ich wurde falsch zitiert. Da wurden mir die Worte im Mund umgedreht.»

Endlich zur Philologie

Schlapp hält die aktuelle Islamdebatte für fehlgeleitet. «Es ist ein Skandal, dass die politisch Verantwortlichen die Rolle der vier Affen spielen und die Islamdebatte rechten Rabauken überlassen.» Wie Thiel erachtet Schlapp den Vorwurf der Islamophobie als problematisch: «Er verunmöglicht heute eine profunde Auseinandersetzung.»

Den Gehalt des Schawinski-Talks und der nachfolgenden Diskussion stuft Schlapp als sehr tief ein: «Das war bloss ein Windlein im helvetischen Fingerhut.» Wer sich wirklich für die grossen Islamfragen interessiere, der solle doch bitte sein neues Buch «Islam heisst nicht Salam» lesen.

Auch wenn die Positionierung Schlapps – der sein Studium des Koran-Arabisch erst spät aufgenommen hat und der nicht wie von Thiel bei Schawinski behauptet «Professor für Orientalistik» ist (siehe Box) – durchaus streitbar ist, so böte eine Auseinandersetzung mit seiner Arbeit doch immerhin die Gelegenheit, die zuletzt vollends ins Pauschale und Emotionale abgedriftete Diskussion endlich dort zu führen, wo sie eigentlich geführt werden sollte: im Bereich der Philologie und der Islamwissenschaft (siehe dazu auch «Koranlesen will gelernt sein»).

lsch

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