Die fünf besten Eastwood-Filme

Mit «The Mule» bringt Clint Eastwood seinen 37. Spielfilm ins Kino. Wir haben die Kritik - und die Top 5 aller Eastwood-Filme.

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Hans Jürg Zinsli@zasbros

Bei Geschäftstreffen ist der angejahrte Blumenzüchter Earl ein gern gesehener Gast. Er hält da ein Schwätzchen, lässt dort ein Kompliment fallen, lästert über das Internet (der Film spielt 2005) und spendiert nach der erhaltenen Auszeichnung für die schönste Taglilie eine Runde, während nebenan eine Hochzeit im Gange ist. Für die Hochzeit der eigenen Tochter (Alison Eastwood) hat Earl allerdings keine Zeit, bei Geburtstagen und anderen Feierlichkeiten der Familie glänzt er durch Abwesenheit.

Wandelndes Restrisiko

Dass es eine gewisse Anlaufzeit braucht, um mit diesem Kauz warm zu werden, versteht sich. Clint Eastwood, der endlich wieder mal die Hauptfigur in einem seiner Filme spielt, weiss das genau. Der 88-jährige US-Amerikaner verkörpert in «The Mule» sozusagen die Schnittmenge seiner archetypischen Knurrhahn-Figuren. Wir sehen Earl als Mix aus Verbohrtheit, falsch verstandener Virilität, später Reue und zerknirschter Einsicht. Eine Art wandelndes Restrisiko, das in filmischer Hinsicht einiges an Spannung verspricht.

12 Jahre später ist Earl wegen dem «verdammten Internet» pleite. Als er auf dem Anwesen seiner Ex-Frau (Dianne Wiest) auftaucht, weil er sonst keine Zuflucht mehr hat, schlägt ihm brüske Ablehnung entgegen. Man will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Auf Umwegen erfährt er, dass ein Bekannter einen guten Fahrer brauche. Worin die Fracht besteht, interessiert ihn aber nicht. So tritt Earl im Alter von knapp 90 Jahren eine Karriere als Drogenkurier für das Sinaloa-Kartell an. Der Mann tut das halb ignorant, halb entspannt, er kommt jedenfalls in der Gegend rum, so wie er es mag, und er kann sich – so der Plan – die Liebe seiner Familie zurückkaufen, angefangen bei seiner Enkeltochter (Taissa Farmiga), deren Studium und Hochzeit er finanziert.

Tigerbalsam für den Spürhund

Reicht das, um «The Mule» einen guten Film zu nennen? Theoretisch ja. Eastwood findet jedenfalls immer noch Mittel und Wege, um einen verbohrten Workaholic als Sympathieträger zu verkaufen. Die Bauernschläue des Regisseur spiegelt sich da in der Gewitztheit des Protagonisten, wenn er einen Polizisten wie selbstverständlich mit Popcorn besticht oder einen Drogenspürhund mit Tigerbalsam ablenkt.

«The Mule»: Es ist bereits der 37. Spielfilm von Clint Eastwood. Video: Warner Bros. Pictures

Leider aber will Drehbuchautor Nick Schenk, der für Eastwood "Gran Torino" (2008) schrieb, auch die andere Seite des Gesetzes zeigen – in Person des DEA-Agenten Colin Bates (Bradley Cooper), der dem Drogenkartell (und damit auch Earl) nachspürt. Leider tut dieser Bates jedoch nichts anderes, als im Dunkeln zu tappen und vom Chef (Laurence Fishburne) zu hören, dass man Leute verhaften solle. Da dreht der Film im Leerlauf.

Kernstück des Films wird ausgeblendet

Einmal begegnen sich der Drogenkurier und der Agent im Café, nicht ahnend, wer der andere sei. Und da erteilt Earl dem Agenten just jene Lebensratschläge, an die er sich selbst nie hielt: Familie kommt vor Arbeit. Die Szene verfehlt ihre Wirkung nicht nur wegen der Wortwahl, sondern weil man von den Familien kaum etwas gesehen hat. Das Kernstück des Films wird einfach ausgeblendet.

Immerhin bequemt sich Earl gegen Ende des Films ans Sterbebett seiner Ex-Frau und bringt sich dadurch selbst in Gefahr. Die Machtverhältnisse innerhalb des Kartells haben gedreht, es werden Killer ausgesandt. Doch die finale Arbeitsverweigerung der Hauptfigur ändert nichts mehr am Eindruck eines Films, der sich die Besserung eines Unbelehrbaren auf die Fahnen geschrieben hat. In Wahrheit zeigt «The Mule» einen Mann, der die Dinge jahrzehntelang einfach geschehen liess. Und der dann verwundert auf die Scherben blickt, die seine Passivität angerichtet hat. Das ist im Fall von Clint Eastwood einfach zu wenig.

Ab 31. Januar im Kino

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