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Der schwarze Ritter

Robert Downey Jr. hat für seine Rolle in Ben Stillers Kriegssatire «Tropic Thunder» die Hautfarbe gewechselt. Das ist mehr als ein Gag. Es ist ein Tanz auf einem kulturellen Minenfeld.

Extravagante Masken ist man sich ja gewohnt von dem Mann, der für seine traumtänzerische Schnäuzchen-Rolle in «Chaplin» einst als begnadetster Schauspieler seiner Generation gefeiert wurde. Nach drogenbedingtem Schlingerkurs meldet sich der 43- Jährige neuerdings mit aufwändigem Mummenschanz zurück: Als «Iron Man» bastelte er sich einen Superheldenpanzer zusammen, in «Fur» sah man nur seine schönen dunklen Augen, weil er als haariger Freak in einem Ganzkörperpelz steckte. Die dunkle Haut in «Tropic Thunder» ist also nur die jüngste Episode in der Maskerade des Robert Downey Jr, dem ehemaligen Stammkunden in Hollywoods Entzugskliniken. Doch wenn er hier als cooler Hund à la Shaft auf einem Minenfeld in Vietnam landet, so bietet sein dunkelhäutiger Auftritt auch gesellschaftspolitischen Zündstoff. In Amerika weckt eine solche «Blackface»-Nummer unweigerlich böse Erinnerungen an die Zeiten der Sklaverei. Seit dem 18. Jahrhundert malten sich weisse Schauspieler schwarze Schminke und dicke Lippen ins Gesicht, um in solchem Aufzug groteske Revuen zur Belustigung der weissen Gesellschaft aufzuführen.

Rassistische Folklore

In diesen «Minstrel Shows» wurden die schwarzen Sklaven als faule, dumme Lüstlinge lächerlich gemacht. Im Wort «Blackface» steckt also der geballte Schmerz der Ausbeutung und Erniedrigung der Schwarzen in Amerika. So ganz geheuer ist es einem darum nicht, wenn Robert Downey Jr. in «Tropic Thunder» jetzt an diese rassistische Folklore anknüpft. Erst recht, wenn er dafür Applaus von allen Seiten bekommt. Ein paar amerikanische Kritiker hatten dann doch den Anstand, zu fragen: Darf der das überhaupt? Und warum eigentlich hagelt es keine Proteste von schwarzen Bürgerrechtsorganisationen?

Schlauer Humor

Vermutlich deshalb, weil sie den schlauen Humor in «Tropic Thunder» begriffen haben. Wenn Robert Downey Jr. mit seiner «Blackface»-Rolle ungeschoren davonkommt, so hat das nichts damit zu tun, wie brillant er hier aufspielt. Es liegt vielmehr daran, dass er auch im Film ein falscher Schwarzer ist: Downey Jr. spielt nämlich einen weissen australischen Charakterdarsteller namens Kirk Lazarus, der sich extra einer Pigmentbehandlung unterzogen hat, um vor der Kamera einen schwarzen US-Soldaten zu spielen. Was wir sehen, ist also nicht die Karikatur eines Schwarzen, wie in den «Minstrel Shows». Was wir sehen, ist die Karikatur eines weissen Filmstars, der für einen Oscar alles tut und der seine Rollen buchstäblich mit jeder Faser lebt.

Als geschwärzter weisser Hollywoodstar entlarvt Downey Jr. damit vor allem die peinliche Mimikry der Weissen, die sich mit afroamerikanischer Coolness zu schmücken versuchen. Oder wie ein Kritiker in der «Los Angeles Times» scharfsinnig notierte: Dieser Kirk Lazarus sei genau der Freak, der entstehe, wenn sich Weisse aus den Ersatzteilen der Popkultur eine schwarze Identität zusammenbasteln. Als solcher sei Robert Downey Jr. der perfekte Hofnarr in einer Zeit, wo die amerikanischen Medien oft genug den Eindruck erwecken, als wäre die Frage der Hautfarbe nur noch ein Show- Element im Wahlkampf ums Weisse Haus.

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