Lord, Ritter, Oscar-Gewinner – Richard Attenborough ist tot

Premier Cameron hat ihn schon gewürdigt, Gandhi-Darsteller Kingsley tat es auch: Mit Richard Attenborough ist ein ganz Grosser der Filmgeschichte gestorben.

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Der britische Schauspieler und Erfolgsregisseur Richard Attenborough ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Wie sein Sohn Michael der Rundfunkanstalt BBC mitteilte, hatte sich der Gesundheitszustand des Filmemachers zuletzt verschlechtert. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Attenborough galt als einer der Säulen der britischen Kunst- und Filmszene. Im Laufe seiner 60 Jahre umspannenden Karriere führte er bei einer Reihe von Produktionen Regie, darunter dem Musicalfilm «Oh What a Lovely War» von 1969, der Filmbiografie «Chaplin» und «Shadowlands.»

(Video: Youtube)

Acht Oscars für «Gandhi»

Doch war es «Gandhi», der ihm seinen grössten Erfolg bescheren sollte: Das Filmepos über den gleichnamigen indischen Freiheitskämpfer gewann 1983 acht Oscars, darunter in den Kategorien bester Film und beste Regie. 20 Jahre lang hatte Attenborough das Filmprojekt geplant. «Ich habe kein Interesse daran, als ein grosser kreativer Filmemacher in Erinnerung zu bleiben», sagte er der «New York Times» kurz nachdem «Gandhi» in die Kinos kam. «Ich möchte als Geschichtenerzähler in Erinnerung bleiben.»

Auch vor der Kamera machte das untersetzte Energiebündel mit dem rundlichen Gesicht von sich reden. Der jüngeren Generation dürfte Attenborough vor allem durch seine Rolle als Erlebnispark-Direktor in Steven Spielbergs Klassiker «Jurassic Park» bekannt sein.

In früheren Jahren galt der Brite als Schauspieler, der eine breite Palette von Ausdrucksformen beherrschte. Sein Debüt feierte er 1942 mit dem patriotischen Streifen «In Which We Serve». Der damals erst 19-jährige Attenborough verkörperte ein Crewmitglied eines Kriegsschiffs der britischen Marine, das in der Luftlandeschlacht um Kreta in Gefechte mit der deutschen Wehrmacht verwickelt ist. Der Film holte den Oscar in der Sparte Bester Film.

Eine seiner besten Darbietungen lieferte er 1947 als jugendlicher Rowdy im Gangsterdrama «Brighton Rock» ab. Zudem wirkte Attenborough später in einer Reihe von Hollywoodproduktionen mit.

Leben von Tragödie überschattet

Der Mann mit dem schlohweissen Haar und dem Rauschebart – von vielen «Dickie» genannt – erlangte auch durch sein humanitäres Engagement Bekanntheit. Für das Kinderhilfswerk Unicef war er als Botschafter des guten Willens tätig. In seiner liberal eingestellten Familie haben ehrenamtliche Arbeit und humanitärer Einsatz schon lange Tradition.

Am 29. August 1923 wurde Richard Samuel Attenborough als Sohn eines Universitätsdirektors in Cambridge geboren. Sein jüngerer Bruder ist der Naturforscher David Attenborough, dessen Tierdokumentationen ein Millionenpublikum erreicht haben.

Im Jahr 1976 wurde Richard Attenborough zum Ritter geschlagen. 17 Jahre später wurde er in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan Baron Attenborough von Richmond upon Thames nennen.

Eine Familientragödie überschattete seinen Lebensabend: Seine Tochter Jane und seine Enkelin kamen bei der Flutkatastrophe in Thailand im Dezember 2004 ums Leben. Danach habe er nie wieder Weihnachten feiern können, erklärte Attenborough.

Seit einem Sturz in seinem Haus im Jahr 2008 litt er unter einer angeschlagenen Gesundheit. Seine letzten Jahre verbrachte er mit seiner Frau Sheila Sim in einem Altersheim.

«Er setzte absolutes Vertrauen in mich»

Der britische Premierminister David Cameron würdigte Attenborough in einer Erklärung. Er sei «einer der Grössten des Kinos» gewesen.

Warme Worte fand auch Ben Kingsley, der durch seine Rolle als Mahatma Gandhi in dem Monumentalfilm Attenboroughs zu Starruhm gelangte. «Er setzte absolutes Vertrauen in mich und ich setzte im Gegenzug absolutes Vertrauen ihn in und gewann ihn lieb», sagte Kingsley. «Ich und Millionen andere, die er durch sein Leben und Werk berührt hat, werden ihn zutiefst vermissen.»

(Video: Youtube)

Lebensabend im Altersheim

Attenborough wurde 1976 von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Im Jahr 1993 erhielt er den Titel Lord Attenborough. Attenborough wurde am 29. August 1923 geboren. Seine Eltern waren strikte Anhänger der Labour-Partei, die bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwei jüdische Flüchtlinge aus Deutschland adoptierten.

Attenborough war seit 1945 mit der Schauspielerin Sheila Sim verheiratet. Er lebte zuletzt zusammen mit ihr in einem Altersheim. Das Paar hatte drei Kinder, darunter den Theaterdirektor Michael Attenborough. Attenboroughs Bruder ist David Attenborough, der bekannte britische TV-Naturexperte. Attenboroughs Tochter und seine 14 Jahre alte Enkelin starben im asiatischen Tsunami von 2004.

(Video: Youtube/BBC)

mw/chk/AP/sda

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