Alles wird gut im Deltaquadranten

Lässige Sünden

In unserer neuen Kolumne beichten baz.ch/Newsnet-Journalisten Kultursünden. Heute: «Star Trek Voyager».

Der Lebensreichtum im «Star Trek»-Universum kennt fast keine Grenzen.

Der Lebensreichtum im «Star Trek»-Universum kennt fast keine Grenzen.

(Bild: PD)

Ich greife mitten ins volle Leben der Milchstrasse und fasse mal kurz zusammen: Die Spezies 8472 ist eine hochkomplexe, dreibeinige, fünfgeschlechtliche und im kosmischen Sinn rassistisch zu nennende Lebensform aus einem fluiden Raum des Deltaquadranten. An ihrer Immunstärke und ihren mental gesteuerten Bioschiffen gingen selbst die nanosondengestützten Assimilationsversuche der Borg zuschanden, die doch auch nicht nichts sind, sondern eine Gattung von Maschinen-Humanoiden-Hybriden, welche, kollektivistisch organisiert und monarchisch geführt, dem individualistischen Lebensreichtum des Alls bis dahin mit sehr verachtungsvoller Überlegenheit gegenüberstand; und einmal hätte sie auch schon fast die ganze Menschheit dem Kollektiv beigefügt. Man muss sich an beide Arten ästhetisch und moralisch etwas gewöhnen, lernt aber im Verlauf der sehr schätzenswerten Fernsehserie «Star Trek: Raumschiff Voyager», nicht heikel zu sein.

Ich meine, die etwas anämisch aussehenden Borg mit ihren Gesichtsschläuchen kannte ich ohnehin schon aus den Zeiten der Enterprise D und des seligen Captain Picard. Seither bin ich weiter herumgekommen mit der «Voyager» (Intrepid-Klasse) unter Captain Kathryn Janeway. Und die Spezies 8472 hat mich dann auch nicht mehr erschüttert, nachdem ich die echsenköpfigen Hirogen habe Hologramme jagen und einen gesprenkelten Talaxianer klingonischen Blutkuchen habe backen gesehen. Ich bin inzwischen sozusagen per Du mit allen und ein wenig distanziert nur noch gegenüber den Vidiianern, die fremde Gesichter abschälen, um sie selber zu tragen.

Item, ich schäme mich beim Fernsehen ja eigentlich nie über mich selbst und tue es hier bloss pflichtschuldig, weil ich nach der zweiten Durchsicht aller sieben Staffeln von «Raumschiff Voyager» heilige Eide geschworen habe, es zu lassen. Meine Frau hat nämlich gesagt, sie habe es nicht gern, wenn ich ihr unter der Hand verkindle und von Seven of Nine, einer attraktiv renovierten Borgdrohne, rede, als hätte ich mit ihr Geissen gehütet. Jetzt bin ich aber beim vierten Mal (immer auf der Endlosschlaufe von Tele 5), und meine unbestechliche Infantilität weiss einfach: Die Janeway, diese Kapitänin von eiserner Keuschheit und romantischer Bildung, trägt mit ihrer Mannschaft den tiefen und erwachsenen Gedanken der Multikulturalität und des Weltfriedens in die Galaxis. Jedoch der Versuch, meine vernünftige Frau davon zu überzeugen, wird wieder an ihr zerschellen wie die Borg an 8472.

baz.ch/Newsnet

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