«Mr. Spock» ist tot

Ein Mann, eine Geste: Der «Star Trek»-Schauspieler Leonard Nimoy ist 83-jährig gestorben. Er lebte diese eine Rolle.

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Trauer um «Mr. Spock:» Der als stets besonnener Halb-Vulkanier aus «Raumschiff Enterprise» bekannte Schauspieler Leonard Nimoy ist tot. Er erlag am Freitag in Los Angeles einem Lungenleiden, wie sein Sohn Adam mitteilte. Nimoy wurde 83 Jahre alt. Zahlreiche Weggefährten und Prominente würdigten den Darsteller, Regisseur und Fotograf. Auch in die Weiten des Weltraums drang die Todesnachricht: «Lebe Lang und in Frieden, Mr. Spock», twitterte die Astronautin Samantha Cristoforetti an Bord der ISS in Gedenken an die vulkanische Grussformel aus «Raumschiff Enterprise.»

An Bord der fiktiven fliegenden Untertasse aus dem 23. Jahrhundert verkörperte Nimoy den spitzohrigen wissenschaftlichen Offizier «Mr. Spock», der immer in sich ruhte und damit den Gegenpol zum oft emotionalen Captain Kirk (William Shatner) bildete. «Raumschiff Enterpreise» (Originaltitel «Star Trek») wurde zu einer der beliebtesten Kultserien im Fernsehen und im Film.

Dabei deutete bei der US-Premiere im September 1966 zunächst kaum etwas auf den späteren Erfolg der Show hin. Ganz im Gegenteil. Die ersten drei Staffeln von «Raumschiff Enterprise» liessen das breite TV-Publikum kalt, allenfalls Teenagerjungen schienen sich für die Science-Fiction-Serie erwärmen zu können. Sie drohte nach ihrer Einstellung im Jahr 1969 in Vergessenheit zu geraten.

Ein Mann, eine Geste: Leonard Nimoy. (Video: Reuters; 27. Februar 2015)

Doch die hartgesottene Fangemeinde hielten «Raumschiff Enterprise» weiter in Ehren und setzte sich für eine Rückkehr der Show ein. Als das Ensemble dann 1979 für «Star Trek – Der Film» zusammengetrommelt wurde, wurde alles anders. Der Streifen avancierte zum Hit, fünf Fortsetzungen folgten – und «Raumschiff Enterprise» gerann zu einem Stück Popkultur. Nimoy trat in allen «Star Trek»-Filmen auf und führte bei zwei von ihnen Regie.

Auch nach seiner Zeit als «Mr. Spock» legte Nimoy eine eindrucksvolle Karriere hin. Zu seinen späteren Rollen gehörten unter anderem die des Malers Vincent van Gogh in dem Ein-Mann-Theaterstück «Vincent» und die des Ehemanns von Israels früherer Regierungschefin Golda Meir in dem TV-Drama «A Woman Called Golda».

Doch die Rolle des kühlen Strategen mit den Spitzohren wurde er nie richtig los, im öffentlichen Bewusstsein blieb er immer «Mr. Spock». In einem Interview von 1995 versuchte sich Nimoy an einer Analyse des Phänomens. Die Leute identifizierten sich mit «Mr. Spock», weil sie «in sich selbst diesen Wunsch verspüren, logisch sein und den Schmerz der Wut und Konfrontation vermeiden zu können», sagte er. «Wie oft gehen wir aus einem Streit raus und wünschen uns, wir hätten etwas anders gesagt oder getan?»

Spock oder nicht?

Seiner Paraderolle schien er jedoch mit einer gewissen Ambivalenz zu begegnen, zumindest am Anfang. In seinen beiden Autobiografien «I Am Not Spock» (1975) und «I Am Spock» (1995) spiegelte sich dieser Zwiespalt wider.

«Natürlich hat die Rolle meine Karriere verändert – oder besser gesagt, mir erst eine gegeben», sagte Nimoy einmal. «Sie machte mich verhältnismässig reich und eröffnete mir viele Möglichkeiten. Sie beeinflusste mich persönlich, sozial, psychologisch, emotional...Was sich erst als willkommener Job für einen hungrigen Schauspieler erwies, ist zu einem konstanten Einfluss in meinem Denken und Lebensstil geworden.»

Damit spielte er auf seine bescheidenen Anfänge an. Leonard Simon Nimoy wurde am 26. März 1931 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland in Boston geboren und wuchs in einem italienischen Viertel der Stadt auf. Obwohl er dort viele Freunde gehabt habe, sei er als Heranwachsender mit Antisemitismus konfrontiert gewesen, sagte er später.

Mit 17 ergatterte er eine Rolle in einer örtlichen Theaterproduktion. Später bekam Nimoy ein Schauspielstipendium am Bostoner College, schmiss jedoch hin und zog nach Kalifornien, wo er am Theater Pasadena Playhouse Schauspielstunden nahm. Kleinere Rollen in TV-Serien und Filmen folgten.

Nach dem Militärdienst kehrte er nach Hollywood zurück, wo er sich unter anderem als Taxifahrer, Staubsaugervertreter, Platzanweiser imKino verdingte, während er nach Schauspieljobs suchte. Zum «Mr Spock» berief ihn schliesslich «Star Trek»-Schöpfer Gene Roddenberry, der von den Gastauftritten des jungenTalents in den TV-Shows «The Lieutenant» und «Dr. Kildare» beeindruckt war.

2009 trat Nimoy in der neuen Grossleinwandversion von «Star Trek» als älterer Mr. Spock auf, der sein jüngeres Ich – gespielt von Zachary Quinto – trifft.

Vor einem Monat schliesslich liess Nimoy verlauten:

Seinen letzten Tweet, fünf Tage vor seinem Tod, beendete Nimoy mit dem Vulkanier-Gruss «live long and prosper» (lebe lang und in Frieden).

AP

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