40 Jahre alte DNA soll Mordfall lösen

Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod des italienischen Autors und Regisseurs Pier Paolo Pasolini will die Justiz neue Ermittlungen aufnehmen.

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Die neuen Ermittlungen basieren auf DNA-Spuren, die auf den Kleidern des am 2. November 1975 in Ostia unweit von Rom ermordeten Stars gefunden wurden. Auf den Textilien wurden DNA-Spuren von mindestens drei verschiedenen Personen entdeckt, berichtete die Tageszeitung «Corriere della Sera» am Dienstag. Der DNA-Test war vom Cousin Pasolinis, Guido Mazzon, gefordert worden.

Die Ermittlungen basieren aber auch auf Aussagen des wegen der Tötung des Regisseurs verurteilten bisher einzigen Beschuldigten: Pino Pelosi beteuerte stets seine Unschuld. Für den brutalen Mord sollen laut Pelosi mindestens sechs Menschen verantwortlich sein. Sie sollen Pasolini mit drei Autos und einem Motorrad umringt haben. Die Identitäten dieser Personen seien ihm nicht bekannt.

Viele Unklarheiten

Der damals 17-jährige Prostituierte Pelosi, genannt «die Kröte», war für die Tat verurteilt worden, die Hintergründe blieben aber ungeklärt. Pasolinis verstümmelte Leiche wurde auf einem Fussballplatz in Ostia gefunden.

Der minderjährige Pelosi erhielt neun Jahre Haft, die er längst verbüsst hat. 1975 hatte er angegeben, Pasolini habe ihn am römischen Bahnhof Termini sexuell belästigt. Er habe den Regisseur danach an einem Strand in Ostia in der Nähe Roms getötet, wo später auch die Leiche gefunden wurde.

Ermittler bezweifelten von Anfang an, dass ein Täter allein das Opfer derart hätte verstümmeln können. Am Tatort wurden Kleidungsstücke und Fussabdrücke gefunden, die weder zu Pasolini noch zu Pelosi gehörten.

Möglicherweise politische Motive

Der Verdacht eines politisch motivierten Mords bestätigte sich nie. Der Regisseur hatte wegen seines letzten Films «Die 120 Tage von Sodom» Todesdrohungen von rechtsextremen Organisationen erhalten.

In dem Film kritisierte Pasolini die Mussolini-Diktatur in den Jahren 1944 bis 1945. Die Ermittlungen in dem Mordfall waren bereits mehrfach wieder aufgenommen worden - jedes Mal ohne Ergebnis. Im Kino hat sich zuletzt der US-Regisseur Abel Ferrara der Tötung angenommen und in «Pasolini» die letzten Stunden des Künstlers mit Willem Dafoe in der Hauptrolle verfilmt.

phz

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