«Hugh Hefner war wie ein Murmeltier»

Art Furrer unterrichtete «Playboy-Bunnys» im Skifahren. baz.ch/Newsnet erklärt der Walliser, was an den berüchtigten Partys wirklich abging – und weshalb Hefner ihn nachhaltig prägte.

Pionier und Freestyler: Art Furrer zeigt zwei «Playboy-Bunnys» einen Trick. Foto bereitgestellt von Art Furrer

Pionier und Freestyler: Art Furrer zeigt zwei «Playboy-Bunnys» einen Trick. Foto bereitgestellt von Art Furrer

Wie haben Sie Ihre erste Begegnung mit Hugh Hefner in Erinnerung?
Das war während einer Sitzung im Playboy-Hauptquartier in Chicago. Mir ist der Mann wie ein Halbgott vorgekommen, der mit mir aus den Wolken herab spricht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er ein besonders grosses Interesse am Skifahren hat, ihm gings wohl mehr ums Geschäft. Aber entgegen der öffentlichen Wahrnehmung war Hefner alles andere als ein Macho. Er hatte zwar schon immer zwei, drei Bunnys im Schlepptau, so wie ein Pfarrer seine Ministranten. Ich habe ihn allerdings als sehr sanftmütigen, ruhigen und zurückhaltenden Menschen wahrgenommen. Das lag vielleicht auch an den Drogen, die er oft konsumierte. Wenn wir im Wallis ein Glas Fendant zu viel getrunken hatten, wurden wir ja eher lauter, aber das Haschisch scheint den Typen benebelt zu haben. Hefner war wie ein Murmeltier, das sich in den Winterschlaf zurückzieht. Ich fand ihn schwer einschätzbar und etwas unnahbar. Wie ein Geist, der aus dem Hintergrund agiert. Er war jedoch ein Gentleman und immer sehr gut angezogen.

Wie sind Sie als Sohn eines Oberwalliser Wilderers als Privatlehrer in einem Playboy-Skiresort gelandet?
Wegen meines unorthodoxen Fahrstils wurde ich aus dem Schweizer Skischulverband rausgeschmissen. Also versuchte ich mein Glück in Amerika. Als Hugh Hefner einen Skilehrer für sein neues Playboy-Resort in Lake Geneva, Winsconsin suchte, war mein Name in den Staaten bereits eine bekannte Marke. Seine Leute sind auf mich zugekommen und haben mich angefragt.

Und Sie haben zugesagt?
Die haben für 50 Millionen Dollar extra einen See ausgehoben und mit dem Aushub zwei Hügel in der Form eines Busen gebaut. Nach einigen wenigen Schwüngen war man bereits unten angelangt. Die Skipiste hiess Cleavage-Valley (Ausschnittstal). Obwohl ich damals bereits eine eigene Skischule hatte, interessierte mich insbesondere der PR-Aspekt an der ganzen Geschichte. Zudem war das eine gute Möglichkeit für mich, meinen Namen weiter aufzubauen. Also hatte ich den Dollars trotz meiner gebirgs-katholisch geprägten moralischen Überzeugung schweren Herzens zugesagt. (lacht)

Sie wurden während dieser Zeit an einige legendäre Playboy-Partys eingeladen. Was lief dort tatsächlich ab?
So weit ich das einschätzen kann, sind die Partys meistens sehr gesittet abgelaufen. Es herrschte zwar immer eine sexuell aufgeladene Clubatmosphäre, aber wenn jemand mal ein Bunny anfasste, flog er direkt raus. Das war strikter als in einem Damenpensionat. Auch im Bunny-Hutch, dem Haus, in dem die Mädchen wohnten, durften ausser Hefner keine Männer verkehren. Der Playboy-Club war eher ein Ort, an dem Geschäftsmänner und Politiker ihre Geschäfte besprechen konnten. Es ging weniger um den Exzess, als um die Noblesse der gehobenen Gesellschaft – und man konnte sehr gut essen. Ich als Walliser Bergbauer habe mich dort – abgesehen von den Dollars, die ich sammeln konnte – nicht sehr wohl gefühlt. Ich hatte stets eine Distanz zu dieser Welt bewahrt. Es gab für mich immer eine rote Linie, die ich zum Glück nie überschritten hatte – sonst wäre ich wohl nicht aus Amerika zurückgekehrt. (lacht)

Sie beschreiben die Kundschaft als gehoben, welchen Eindruck hatten Sie von den Bunnys?
Das waren hauptsächlich Studentinnen, sehr gut ausgebildete und unabhängige Frauen. Das waren keine Püppchen. Die durfte man an Partys auch nicht zu einem Date einladen. Das waren im Grunde ganz normale Mädchen.

Auf der roten Linie: Art Furrer stösst mit einem Playboy-Bunny auf das Leben an. (Foto bereitgestellt von Art Furrer)

Was ist Ihrer Meinung nach Hefners wichtigste Errungenschaft?
Er hat es geschafft, den weiblichen Körper in einer ästhetischen Form ins Scheinwerferlicht zu stellen. Einerseits hat er die Frauen dadurch zu Ausstellungsobjekten degradiert, andererseits hat er den Models aber auch ermöglicht, sich vom damals vorherrschenden prüden, konservativen Korsett zu befreien und ihren Körper frei zu inszenieren. Auf jeden Fall hat Hefner mit dem «Playboy» ein Imperium aufgebaut. Er hatte ein knallhartes Businesskonzept, das bis ins kleinste Detail durchgeplant war. Hefner hatte nichts dem Zufall überlassen. Zudem war er auch einer der ersten Verleger, der schwarze Models ablichtete. Das war für damalige Verhältnisse schon fortschrittlich. Und er war ein Meister der PR. Er wusste einfach, wie er die Medien instrumentalisieren konnte. Wir hatten bei uns im Resort zum Beispiel den ersten schwarzen Skilehrer Amerikas eingestellt, und alle waren überrascht, dass auch er sich mit Sonnenschutz eincremen musste. Selbst dieses Detail vermarktete Hefner geschickt, indem er die Story den Medien zuspielte.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von seinem Tod erfahren haben?
Ich war überrascht, dass man mit so einem Lebensstil 91 werden kann. Hefner war immer am Saufen und am Drögelen, hatte stets einen hektischen Lebenswandel, aber anscheinend ist er gut damit zurechtgekommen.

Was haben Sie von Hefner gelernt?
Wie man mit den richtigen PR-Strategien in den Medien kommt und wie man zuvorkommend mit Kunden umgeht. Dass man den Kunden einladen und umwerben muss, das hatten die Schweizer in den 1970er-Jahren noch nicht kapiert. Damals lehrten mich die Amerikaner: Wenn du einen Journalisten 10-mal einlädst und er nur eine gute Story schreibt, so sei das Money in the Bank.

baz.ch/Newsnet

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