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Versandriese kritisiert Wallraff-Ermittlung

Undercover-Reporter Günter Wallraff hatte gestern auf RTL über die Anstellungsverhältnisse beim Zusteller GLS berichtet. Der weist Wallraffs Beitrag nun als «einseitig» und «verkürzt» zurück.

Umtriebig: Günter Wallraff bei einer seiner Buchpräsentationen. (Aufnahme vom 14. Oktober 2009)
Umtriebig: Günter Wallraff bei einer seiner Buchpräsentationen. (Aufnahme vom 14. Oktober 2009)
Keystone
Agitator: Wallraff mit dem Gewerkschafter Frank Bsirske. (9. März 2010)
Agitator: Wallraff mit dem Gewerkschafter Frank Bsirske. (9. März 2010)
Reuters
Auf vielen publizistischen Kanälen aktiv: Wallraff präsentiert zwei seiner Arbeiten. (30. November 2008)
Auf vielen publizistischen Kanälen aktiv: Wallraff präsentiert zwei seiner Arbeiten. (30. November 2008)
Keystone
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Das Unternehmen GLS mit Sitz in Amsterdam «bedauert» Wallraffs Bericht. Der 69-jährige Journalist hatte ihn nach Recherchen und mehreren Undercover-Einsätzen mit falscher Identität am Mitwochenabend bei RTL und heute im «Zeit-Magazin» veröffentlicht. Darin prangert er «Menschenschinderei mit System» und «eine Form von moderner Sklaverei» bei dem Paketzusteller an.

Es handele sich bei dem Beitrag um eine «einseitige und verkürzte Berichterstattung», erklärte das Unternehmen heute. GLS verpflichte Transportfirmen «zur Beschäftigung von Fahrern in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen», hiess es in einer Mitteilung.

«Die GLS Gruppe akzeptiert keine despektierlichen Äusserungen über Subunternehmen und deren Fahrer in ihrem Unternehmen», entgegneten der Geschäftsführer von GLS Germany, Klaus Conrad, und Rico Back als Chef der GLS-Gruppe.

Verbesserungen angekündigt

In der Paketbranche stiessen die Vorwürfe Wallraffs auf ein geteiltes Echo. «Wir kennen die Probleme, die die Branche hier hat», sagte der Sprecher der Deutschen Post, Dirk Klasen. «Im Bereich der Subunternehmer gibt es einen harten Wettbewerb.» Trotz vieler Missstände in der Branche sei die Arbeit des Paketnetzwerks DHL aber auf einem «absolut vorzeigbaren Niveau», sagte Klasen.

«In diesem System ist etwas nicht in Ordnung», sagte dagegen der Sprecher des Paketverbands Hermes, Thomas Voigt, in einer Diskussionsrunde mit Wallraff bei «stern TV» am Mittwochabend. Voigt kündigte Verbesserungen für die Hermes-Paketfahrer an.

Gemäss Wallraffs Recherchen arbeitet der GLS-Konzern ausschliesslich mit Subunternehmern - meistens selbst Fahrer oder frühere Fahrer - und verpflichte diese zu ruinösen und schwer durchschaubaren Bedingungen. Den Fahrern würden Dumpinglöhne gezahlt, es werde Ausbeutung betrieben und regelmässig gegen arbeitsrechtliche Vorschriften verstossen, erklärte der Journalist.

Schweizer Post nicht betroffen

Für die Schweizerische Post, die mit GLS zusammenarbeitet, treffen die Vorwürfe nicht zu: Hiesige GLS- Angestellte arbeiten zu denselben Bedingungen wie «normale» Pöstler.

Swiss Post GLS ist eine von der Post gegründete Tochtergesellschaft, die das europaweit grösste Verteilernetz von GLS nutzt, wie Mediensprecher Oliver Flüeler am Donnerstag der sda sagte.

SDA

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