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TV-Kritik: Was der Baum über die Miss sagt

Beim eidgenössischen Schönheitswettbewerb trugen die Kandidatinnen Hochzeitskleider und durften einen Baum malen. Eine aalglatte Show, spannend wie ein Ferienprospekt.

Schöne Frauen in der Schweiz wollen entweder Anwältin oder Ärztin werden, so das Fazit nach der ersten Vorstellungsrunde. Weshalb sie auch für die «Schweizer Illustrierte» in die Badewanne steigen und ein Jahr lang bei jeder Einkaufszentrum-Eröffnung lächelnd herumstehen wollen, bleibt schleierhaft. «Weil ich liebend gerne die Schweiz repräsentieren würde», so die Standardantwort. Na ja. Jedenfalls winkt der Siegerin Dauerpräsenz in den Klatschspalten, ein Einkommen im ersten Jahr von etwa 500'000 Franken und der Titel «Ex-Miss» auf Lebzeiten.

Dazu muss sie drei Wahl-Runden überstehen. Eine Jury vor Ort und das TV-Publikum per Telefonvoting entscheiden über das Weiterkommen. Die Kandidatinnen dürfen sich bereits zu Beginn ausgiebig vorstellen. Eine spricht fünf Sprachen, eine andere findet sich fröhlich und unkompliziert, die nächste liebt das Leben und ist sehr glücklich. Die Meinung bei den Zuschauern ist rasch gemacht. Und doch sagt Sven Epiney als Synchronstimme der zwei italienischsprachigen Moderatoren Christa Rigozzi und Matteo Pelli immer und immer wieder: «Mir zeiget alli Kandidatinne nomol». Mal im unvorteilhaften knallbunten kurzen Kleid, mal im Bikini, mal in der Abendrobe, die eher wie ein Hochzeitskleid wirkt.

Ohne Peinlichkeiten, ohne Spannung

Die Bilder aus Andalusien mit Sandstrand, schönen Dörfern, Paella und Flamenco schauen aus wie aus einem Ferienprospekt. Die wenigen Tanzschritte, die die Kandidatinnen in der Live-Show vorführen, sind simpel, die Choreographien und die Kameraführung so gehalten, dass ein Fehler kaum auffällt. Sind bei anderen Produktionen mit Laien die Missgeschicke und Peinlichkeiten der höchste Unterhaltungsfaktor, so kommen diese hier überhaupt nicht vor. Dies ist durchaus eine Leistung. Andererseits ist die Show dermassen glatt, ohne Ecken und Kanten, dass die Eintönigkeit bald überhand nimmt. Die grösste Überraschung des Abends ist, dass die Kandidatinnen ein Persönlichkeitsgutachten auf Grund eines gemalten Baumes erhalten.

Ohnehin ist diese Misswahl, was die Dramaturgie betrifft, eine Fehlkonstruktion. Über zwei lange Stunden präsentieren sich die Kandidatinnen, immer in denselben Posen, unzählige Male werden die Telefonnummern für das Voting eingeblendet – und kaum wirds emotional, bricht die Sendung ab. Nur kurz sieht man die weinende Familie der Siegerin, die vielen Fotografen, die Miss, die unbeholfen auf ihrem Thron sitzt und sich nicht zu jubeln getraut. Ein rührender Moment – von dem die Fernsehzuschauer aber möglichst nichts mitbekommen dürfen.

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