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TV-Kritik: Fernseh schauen wie Leder kauen

Fast einen ganzen «Tatort» lang versuchten die Berliner Kommissare, einen Kidnapper mürbe zu kriegen. Das war arg zäh.

Von der 30. bis zur 85. Minute stagnierte der Film – eine sehr lange Zeit für einen 90-minütigen Sonntagabendstreifen wie «Machtlos». Während dieser Zeit war klar, wer Benjamin Steiner, das Einzelkind des reichen Westberliner Paares Linda und Hermann Steiner, entführte hatte: Uwe Braun, ein tief frustrierter Arbeitsloser. Braun hatte sich auf dem Alexanderplatz freiwillig gestellt, nachdem er eine erste Tranche des Lösegelds unter den Passanten verteilt hatte (die beste, weil überraschendste Szene des Films). Unklar war während dieser langen Zeitspanne hingegen, wo Braun Benjamin versteckt hielt. Stur pochte der Entführer darauf, für die Preisgabe des Ortes weiteres Lösegeld und freies Geleit zu erhalten.

Die Kommissare Ritter und Stark versuchten, Braun im Verhör mürbe zu kriegen; die Zeit drängte, weil Benjamin offenbar ohne Nahrung und Wasser war: «Wo ist Benjamin?» – «Sie haben ein Kind entführt und wollen das verdursten lassen?!» – «Sagen Sie uns, wo er ist!» – «Haben Sie den Eltern nicht genug Schrecken zugefügt?» – «Wo ist Benjamin?!» Stark wuchsen ein paar weitere Bartstoppeln und die freundlichen Glubschaugen von Ritter wurden etwas feuchter. Doch das schien alles nichts zu nützen, der Fall kam einfach nicht voran. Stunden vergingen im Film, Minuten vergingen vor dem Fernsehschirm.

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