«Mach das nicht noch mal, okay?»

Eigentlich ist Wotan Wilke Möhring ein brillanter Schauspieler. Im Hamburger «Tatort» bleibt er eher blass. «Querschläger» ist damit allenfalls solides Sonntagabendprogramm.

Tatort-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz). (Foto: NDR/Jens Koch)

Tatort-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz). (Foto: NDR/Jens Koch)

Seit Wotan Wilke Möhring im NDR den Ermittler Thorsten Falke spielt, wartet das Publikum auf den einen, herausragenden, nachhallenden Falke-Fall. Eigentlich ist dieser Mann mit seiner Street Credibility ja wie geschaffen für dieses Format, ein «Schimmi» mit Manieren sollte er sein, so wurde das bei Dienstbeginn 2013 jedenfalls angekündigt. Im Herzen ein Punk, aber auch mit Sinn für Schonkost und Gesundheit: Falkes Lieblingsgetränk ist Milch.

In der Folge «Querschläger» von Stephan Rick (Buch: Oke Stielow) kommt das zwischendurch etwas verloren gegangene Milchmotiv mal wieder vor, der Ermittler gönnt sich ein Gläschen. Aber dass einem das so erinnerlich ist, hängt auch damit zusammen, dass einen die Geschichte als solche nicht komplett packt, es ist Falkes 12. Fall, und auch der 12. Fall ist nicht der grosse Wurf. Dabei ist Falke so ein netter Typ, das Ausrufezeichen ersetzt er stets mit einem brüderlichen «okay». «Mach das nicht noch mal, okay?», sagt Falke. «Jetzt fahrn wir zusammen zu Ihrem Bruder, okay?» Aber manchmal, wenn man Möhring so als Falke sieht, erinnert man sich zum Beispiel an seine Rolle im Fernsehfilm «Der letzte schöne Tag», Möhring als Ehemann einer Selbstmörderin, der allein klarkommen muss mit seinen zwei Kindern. So traurig und verzweifelt war der Mann, den er da spielte – ein grosser Fernsehmoment, und dabei kein bisschen überzuckert.

Klar, der Tatort ist kein Drama, Platz muss ja auch noch bleiben für die ermittelnde Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), und tatsächlich sind die beiden sehr kooperativ miteinander. Alles gut. Trotzdem ist es erstaunlich, dass dieser bemerkenswerte Schauspieler Möhring so blass ist in seinen Tatorten, die gar nicht seine sind, er prägt sie nicht, und vielleicht ist das so gewollt. Aber ein bisschen überträgt sich die Verhaltenheit auf die Geschichten, «Querschläger» ist gut gemacht, und doch ist das alles auch erwartbar – und manchmal echt überzuckert. Da ist ein braver kleiner Mann (Milan Peschel), der Geld braucht für die OP seiner todkranken Tochter, und weil er's nicht hat, will er es sich vom Bonzen holen. Dazu lärmt etwas penetrant die Klage übers Gesundheitssystem – der Tatort als Belehrungsfilm hat aber eigentlich ausgedient. Peschel überstrahlt auch deshalb die anderen, weil deren Tun so halb gar und lieblos eingearbeitet wird. Frau Grosz wird von einer Kollegin angeschmachtet, im Hause Falke kreist der Joint.

Allenfalls solides Sonntagabendprogramm und damit in der Tonlage der bisherigen Stücke mit Thorsten Falke («Bin voll der Emo»), der sich seine Milch übrigens mit einer bekifften (!) Katze teilt. So was sieht man selten.

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