Looking for freedom – auf Arte

Marseillaise, Beyoncé, Vietnam und der Mauerfall. Sogar Greta Thunberg kommt im Auftakt der Arte-Serie vor – obwohl sie nicht singt und auch nicht wirklich für Musik steht.

John und Yoko im Bett. Peace! Foto: Wikipedia

John und Yoko im Bett. Peace! Foto: Wikipedia

Jochen Schmid

Freiheit ist ein bunter Hund. Freiheit meint so vieles und zielt auf so vieles. Im deutsch-französischen TV-Sender Arte zeigen sie jetzt, im Juli und August, eine Serie von Filmen, die unter der Klammer «Summer of Freedom» zusammengefasst sind. Ein praktisches Label. Da kann man drunter verstehen, was man will, und hineinpacken, was man will. Mal so richtig mit der grossen Kelle anrühren. Der Sommer der Freiheit, werden sich die Arte-Leute gesagt haben, klingt richtig woodstockmässig geil und grell. Überbrückt jede Saure-Gurken-Zeit mit dem Griff ins vermeintliche Frischgemüsefach.

Wir haben uns also angeschaut: die Eröffnungsfilme 1 & 2 zum «Sound of Freedom» von Chrysanthi Goula, Ulrike Neubecker und Bernard Wedig. Thema: wie Freiheit so im Ohr klingelt. Was die Autoren da zusammengetragen haben, ist ein Schnelldurchlauf durch den Wandel und die Zeiten, in denen irgendwie, irgendwo auch Musik vorkam. Es geht, in insgesamt 106 Minuten, um die Marseillaise und um Beyoncé, um Vietnam und den Mauerfall, um Bella Ciao und Sophie Scholl, um Pete Seeger und Edward Snowden, um Pussy Riot und die Internationale, um Nelson Mandela und Greta, die Muster­schülerin in Sachen Klimaschutz.

Warum Greta Thunberg vorkommt, wo sie doch nicht singt und auch nicht wirklich für Musik steht – unerklärlich. Aufgefüllt wurde der erstaunliche Mix mit Statements bekannter oder weniger bekannter Künstler, wonach Girls einfach nur Spass haben wollen (Cindy Lauper) und wir die Musik nur in die Seele der Menschen implantieren müssen, dann wird alles gut (Konstantin Wecker). Die einzig wirklich starke Antwort kam von Bluessängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone: «Ich singe nicht aus Angst. Ich singe aus Intelligenz.» Ansonsten entpuppte sich der «Sound of Freedom» als eine etwas lärmige Hitparade von Musik mit freiheitskämpferischer Note. (Kein Wort übrigens dazu, dass man mit Musik auch Unfreiheit erzeugen oder zementieren kann; nur ein Beispiel: Musik als Folter in Guantánamo, mit ewiggleicher Disco-Musik in der Endlosschleife.)

Dann aber: der Film «Above Us Only Sky», eine britische Dokumentation von Michael Epstein aus dem Jahre 2018. Sie begibt sich auf die Spurensuche nach den Bedingungen, unter denen «Imagine», das zweite Solo­album von John Lennon, entstand. Ein ganz leiser Film, der a) die hitzigen Zeiten des Protestes gegen den Vietnamkrieg 1971 erahnen lässt, der b) ohne grossen Aufwand und ohne grosse Aufdringlichkeit John Lennon und seiner Lebensgefährtin Yoko Ono sehr nahe kommt und der c) die schöpferischen Kräfte von Yoko Ono ins rechte Licht rückt, die bis heute dafür gegeisselt wird, dass sie ihren John unterm Pantoffel gehalten habe – hier ist sie der Inspirationsquell und die Muse, die ihm mit ihrem Gedichtband «Grapefruit» die Vorlage für die Friedenshymne «Imagine» geliefert hat.

Sehr eindrücklich-eindringlich, diese Doku. In der Arte-Mediathek ist sie weiter zu sehen. Und was auf Arte zum Thema «Summer of Freedom» noch folgt, lässt, bei aller Diversität, das eine oder andere Glanzlicht erwarten. Es treten auf: Amy Winehouse und Eric Burdon, David Crosby und Tina Turner, Oasis und Bob Marley; auch «Woodstock – Der Film» ist erneut zu sehen. Das freiheitliche Kino vertreten unter anderem: Jack Nicholson und Dennis Hopper (in «Easy Rider») sowie Robin Williams in «Der Club der toten Dichter», Letzterer ist morgen im Programm. Filme über Transgender, Birkenstock-Sandalen und Lugau, ein DDR-Dorf, das Pop­geschichte schrieb, sind auch vertreten. Das gut gemischte Sommerspecial endet am 25. August mit einem Nelson-Mandela-Abend, in den ein Porträt des afroamerikanischen Footballspielers und Freiheitsaktivisten Colin Kaepernick eingebettet ist. Da dürfte für jeden etwas dabei sein, Sie haben die Freiheit der Wahl.

«Summer of Freedom» auf Arte, bis 25. August, immer freitags und sonntags; ­bereits gesendete Filme lassen sich über die Arte-Mediathek aufrufen; genaues Programm: www.arte.tv

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