«Wer wohl? Die Privaten»

SRF sagt, wie teuer seine Sendungen sind. RTL-Mogul Helmut Thoma reicht das noch lange nicht.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

SRF legt die Kosten teilweise offen. Wie erklären Sie sich den Schritt? Das war erwartbar. Die sind unter Druck, und jetzt schalten sie auf Offensive um. Nun wollen sie zeigen, wie ungeheuer kostenbewusst sie sind. In ganz Europa sind solche PR-Übungen zu beobachten, weil allmählich auch der breiten Öffentlichkeit klar wird, dass es keine öffentliche TV-Anstalt mehr braucht. Das Modell des Gebührensenders war eine Übergangslösung.

Wie meinen Sie das? Es brauchte den Gebührensender nach dem Weltkrieg, als die Medien am Boden lagen und ein journalistischer Mangel bestand. Aber so wie die Schweizer heute keine Essensmarken mehr brauchen, brauchen sie auch keinen öffentlich finanzierten Fernsehsender mehr. Es gibt Frequenzen im Überfluss, und dank der Digitalisierung sind die Produktionskosten massiv gesunken. Die Öffentlichen verlangen trotzdem immer mehr Geld.

Andere sagen, die Konservativen wollten die öffentlichen Sender aus Eigeninteresse filetieren. Quatsch! Es war und ist nicht die Aufgabe eines öffentlichen Senders, politisch Gegensteuer zu geben. Und warum sollte es kein linkes Privatfernsehen geben, wenn das Interesse da ist? Quatsch ist auch das Argument, SRF sei als Vermittlerin zwischen den Sprachregionen unverzichtbar. Deutschschweizer, Romands und Tessiner kommen ja schon seit langem prima miteinander aus. Dafür brauchts kein SRF.

Wie weit sollte die Transparenz von SRF Ihrer Meinung nach noch gehen? Löhne offenlegen könnte man zum Beispiel problemlos – ist ja Gebührengeld.

In Deutschland gibts die Kostentransparenz schon länger. Spielt sie überhaupt eine Rolle bei der Meinungsbildung? Aber nein. Der Unterhalt eines öffentlich-rechtlichen Senders ist ein politischer Entscheid. Wie viel das kostet, ist nebensächlich. Die Politiker wollen dieses Spielzeug einfach haben. In Deutschland fliessen die Gebührenmilliarden in völlig unnötige Studios, nur 20 Prozent aller aufgezeichneten Sendungen werden tatsächlich gezeigt. In der Schweiz arbeitet man ein bisschen effizienter. Aber auch bei SRF gibt es diesen unnötigen Bläh-Apparat, den man problemlos abbauen könnte.

Und wer zeigt dann Nachrichten, Philosophie und Literatur? Wer wohl? Die Privaten. Man müsste ihnen nur die nötigen Anreize bieten, dann könnte auch ein privater Sender wie 3+ einen ebenbürtigen «Literaturclub» produzieren. Der Unterschied wäre einzig der besagte Bläh-Apparat, der fehlen würde. Man muss keine Kuh kaufen, wenn man Milch braucht. Und um populäre Sportarten wie Fussball braucht man sich sowieso keine Sorgen zu machen.

Wobei den Fussballfan eine Privatisierung wohl teuer zu stehen käme. Ganz grosse Ereignisse wie Olympia oder die Fussball-WM könnte man als zwingend öffentlich zugänglich erklären. Die EU hat diesbezüglich ja bereits vorgespurt. Und warum sind die Preise für Fussballspiele heute so exorbitant hoch? Weil SRF und Co. sie mit ihrem öffentlich finanzierten Bieterwettbewerb in die Höhe gejagt haben.

Bereits melden sich Private, sie könnten Talkshows zu einem Bruchteil der SRF-Kosten produzieren. Könnte das auch daran liegen, dass die Arbeitsbedingungen bei SRF weniger prekär sind? Was heisst hier prekär? Die Arbeitsbedingungen sind gesetzlich vorgegeben, da kommen die Mitarbeiter schon nicht schlecht weg. Aber klar, am Leutschenbach haben sie sehr üppige Konditionen. Wirtschaftskrisen gehen vorbei wie ein sanftes Windchen, Wettbewerb gibts keinen. Das ist einer liberalen Wirtschaftsordnung, wie sie die Schweiz hat, schlicht nicht würdig. Letztlich ist das SRF ein planwirtschaftliches Relikt.

Begrüssen Sie Online-Umfragen, in denen die User den Rotstift schwingen können? Naja. Diese Leute haben in der Regel keine Ahnung und keinen Einblick in die Institution, sehen nur, was auf dem Bildschirm passiert. Das Problem sind nicht die Sendungen an sich, sondern das Fett dahinter, die Bürokratie.

baz.ch/Newsnet

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